Hein: För fifunnegntig Penn Köhm un Greun un for fif Penn Brod.

Alle zusammen: Harrijeh! Wat süllt wi denn mit all’ dat Brod opstelln?!

Das nebenstehende Bild (aus der „Reform“, 1877) gibt eine gute Gruppe von Speicherarbeitern wieder, während der Raum, in dem sie sich aufhalten, zum Zweck der Belichtung stark idealisiert ist (vergl. Kopal 50 f. und Jünger 10 f.).

Eines eigentümlichen Speicherausdruckes muß ich hier noch gedenken, des „Tómann’n“. Er wurde angewendet für das Weiterreichen kleiner Kolli von Hand zu Hand, außerdem auch, wenn man z. B. Säcke vom Raum auf einen höheren Boden zu schaffen hatte und aus irgend einem Grunde die Winde nicht benutzen wollte oder konnte. Einer der Arbeiter trug die Säcke dann bis zum ersten Boden, wo ein anderer sie ihm abnahm, um sie wieder eine Treppe höher zu bringen, und dann so weiter.

Außer dem Hausküper und seinen Leuten fand sich auf dem Speicher gelegentlich der jüngste Lehrling ein, um eine Bestellung zu machen, denn den Fernsprecher kannte man noch nicht. In solchen Fällen, wo Kontor und Lagerräume auf demselben Grundstück vereinigt waren, kamen auch wohl einige Lehrlinge während ihrer Mußestunden zum Besuch, die an den Waren, besonders den eßbaren, wissenschaftliche Studien machten und daneben allerhand Mutwillen trieben (Kopal 47 f.). Da wurden vielleicht dem alten Herrn, der im Hause jenseits des Fleets über seinen Büchern brütete, durch ein Brennglas die Sonnenstrahlen auf die Hand geworfen oder einem Nachbarn mittels Pusterohrs Erbsen oder Kittkugeln ins Fenster geschossen. Oder man überredete den „Jüngsten“, sich auf dem Haken stehend nach unten befördern zu lassen, und weidete sich an seinem Zorn, wenn man die lustige Fahrt unterbrach und ihn eine Weile zwischen Himmel und Erde zappeln ließ. Bei einer Firma im Grimm herrschte die hergebrachte Gewohnheit, daß dem jüngsten Lehrling am Tage seines Eintritts das Gesicht mit Zinnober eingerieben wurde, worauf man ihn in einen Korb packte und an der Außenseite des Kaufmannshauses bis an das Fenster aufwand, hinter dem der Geschäftsherr saß. Pantomimische Entrüstung an der einen Seite, ebensolche Beteuerung: „Ich kann’s nicht helfen!“ von der anderen waren regelmäßig die Folge. — Auch das Klettern am hängenden Dreger und sonstige Turnerkünste wurden geübt. — Zuweilen ließ sich übrigens auch der Lagerdeener sehen, ein Angestellter, der am Kontor alles unter Händen hatte, was das Lager anging. Der Name Lagerdiener ist jetzt nicht mehr gebräuchlich. Es mag eben niemand mehr „dienen“, außer wo es sein muß, nämlich im Heer. Sogar die Köchin, die sich für Stellung meldet, fragt man heutzutage: „Wo war Ihre letzte Stelle?“ Für Lagerdiener ist die verfeinerte Bezeichnung „Lagerist“ eingeführt, für Handlungsdiener, wie früher alle gegen Gehalt am Kontor Angestellte sich nannten, „Kommis“. Noch heute ist übrigens die „Handlungsdiener-Witwenkasse von 1841“ in Betrieb. — In alter Zeit hießen die Angestellten Scholer und Knechte oder Diener. Die Scholer dürften ursprünglich für den geistlichen Stand bestimmt gewesen sein. Sie wurden, da sie mithin des Lesens und Schreibens kundig waren, in erster Linie mit Buchführung und ähnlichen schriftlichen Arbeiten betraut. Außerdem erfüllten sie wohl dieselben Obliegenheiten wie die Knechte, also Empfangnahme, Beaufsichtigung und Ablieferung von Waren, Einziehung von Schulden am Platz und auswärts und ähnliches (Nirrnheim XXVIII.). Scholer und Knechte, besonders die ersteren, mochten bei ernstem Willen und tüchtigen Leistungen hin und wieder grade so gut eine selbständige Stellung erlangen, wie heutzutage. Gelegenheit, ein erspartes Kapital zu vermehren, hatten sie häufig, denn der Geschäftsherr beteiligte sein Personal bis hinab zur Dienstmagd gern an kleinen Unternehmungen (Nirrnheim XLIV. f.). In recht vielen Hamburger Firmen herrscht übrigens noch heute ein außerordentlich patriarchalisches Verhältnis zwischen Geschäftsherrn und Angestellten. Alte Handlungsgehülfen und Arbeiter werden oftmals „durchgefüttert“, wenn sie auch nur wenig mehr leisten können oder beziehen aus freien Stücken auskömmliches Gehalt auf ihre alten Tage. Andererseits sind mir Fälle bekannt, wo der Geschäftsherr durch seine ehemaligen Untergebenen fortlaufend freiwillig Unterstützung erhielt, wenn er im Lauf der Jahre zurückgekommen war.

Wem es nicht paßte, seinen eigenen Hausküper zu halten, der benutzte Quarteerslüd, Arbeitsübernehmer, die sich ursprünglich immer zu Vieren (dem „Quartier“) zusammengetan hatten und für eine Reihe von Firmen die erforderlichen Arbeiten zu vereinbarten Sätzen für das Kollo oder den Zentner ausführten. Mit diesen Verbindungen müssen wir uns eingehender beschäftigen. Sie verdienen durchaus eine besondere Beachtung und höchste Achtung, denn ohne Innungszwang und ohne staatliche Anerkennung oder Beaufsichtigung haben sich diese Verbrüderungen einfacher Arbeiter durch Jahrhunderte hindurch das unbegrenzte Vertrauen der Kaufmannschaft zu wahren gewußt und Güter von höchsten Werten blindlings zur Verwaltung übertragen erhalten. Schon längst hätte mal einer aus ihrer Mitte sich daran machen müssen, Zuverlässiges und Erschöpfendes über seinen Stand zusammenzustellen, sowie gleichzeitig Klarheit zu schaffen über die Unterschiede zwischen Huusküper, Quarteerslüd, Spikerarbeiter, Lüd von de Eck und sonstigen Gelegenheitsarbeitern, die häufig von Zeichnern und Schriftstellern sämtlich in einen Topf geworfen wurden. Sehen wir uns in dieser Beziehung einmal an, was über den Gegenstand zu finden ist. Viel kommt dabei freilich nicht heraus; dagegen entdeckt man fast überall Ungenauigkeiten oder Falsches.

Im allgemeinen richtig äußert sich Schütze: „Eine Vereinbarung der Arbeitsleute, die ihren Namen nicht von Quartier oder Viertel, sondern von der Zahl 4 haben. Vier Arbeitsleute vereinigen sich, um bei den Kaufleuten Kundschaft zu suchen, und haben ihre eigenen Häuser, die ihnen betrauen, doppelte Schlüssel zu den Packräumen, davon einen der Quartiersmann hat. Sie haben eine eigene Firma unter sich und Kasse, und sorgen, wenn bei Ausschiffungen, Verladungen mehrere Leute nötig sind, für deren Anschaffung. Sie haben ihren eigenen Ort der Zusammenkunft, werden aber nicht zu ihrer Quasi-Innung in Eid und Pflicht genommen. Sie müssen rechnen und schreiben können und übrigens starke Leute sein. Stirbt einer von ihnen, so wählen sie und nehmen den tüchtigsten unter sich auf, oft nach einer Probezeit. Es sind dergleichen mehrere Quartiere, Viermänner, in Hamburg in den Kirchspielen.“ Einige Jahre vorher (1794) veröffentlichte Chr. Gottfr. Morasch in seinen „Charakteristischen Kleidertrachten“ zwei hübsche Abbildungen angeblicher Quartiersleute, und zwar Blatt 8 No. 4 Quartiersmann mit Zuckerproben, dazu die Anmerkung: „Gewöhnlich bedienen sich ihrer die Zuckermakler, um Proben zu den Raffinerien herumzuschicken“. (Anderweitig heißt es, diese Leute seien Hausknechte der Makler gewesen. Das ist auch bestimmt anzunehmen.) Ferner Blatt 9 Quartiersmann und Arbeitsleute: „Die Quartiersmänner haben Korporationen unter sich und halten sich gewöhnlich zu vieren in gewissen Bierkellern auf, wo man selbige zu seinem Bedarf gleich herausrufen kann. Bei schweren Arbeiten bedienen sie sich der Arbeitsleute. Die Derbheit ihrer Hände und die Muskeln ihres Rückens sichern, ohne Kunst und Geschicklichkeit, einer großen Anzahl dieser Menschen ihren Unterhalt zu. Sie stehen gruppenweise auf den Straßen und Gegenden, wo der Handelsverkehr sie am meisten bedarf, sie tragen, schleppen, ziehen, werfen, klettern, winden, schieben, alles kunstlos und ohne Erfordernis von Genauigkeit. Sie haben Korporationen unter sich und haben gemeiniglich einen Quartiersmann zum Anführer.“ Auch dieses Bild ist interessant, nur befremdet es, daß Morasch die Leute auf offener Straße darstellt, und seine Erläuterungen lassen es gleichfalls im Zweifel, ob er nicht Quartiersleute mit Lüd’ von de Eck verwechselt hat, besonders da er von einem Bierkeller als Versammlungsort spricht. — Von Heß (III. 408) teilt diesen Irrtum: „Das Institut der Quartiersleute ist von den Auf- und Abwindern der Kaufmannsgüter erfunden, welche sich je 4 und 4 zusammengerottet haben, und treu beieinander halten, um sich einer steten Tätigkeit zu vergewissern und dem, der sie bedarf, die Mühe des Suchens zu erleichtern. Diese Vierschaften haben ihre besonderen Bierkeller zu Sammelplätzen, wo sie hervorgerufen werden, und sich, nach Beschaffenheit der Umstände, verteilen oder in Gemeinschaft an die Arbeit gehen.“ — In den alten Kontrakten der Quartiersleute ist allerdings zuweilen von einem Keller als ihrem Standorte die Rede, indessen haben wir darunter unzweifelhaft keine Wirtskeller, sondern ein gemietetes Lokal zu verstehen, wo sie anzutreffen waren oder ihre Adresse hinterließen und wo sie Arbeitszeug sowie Gerätschaften aufbewahrten. Sie verpflichteten sich in ihren Verträgen, die Kosten für Gerät und Miete gemeinsam zu tragen, um dann den Gewinn ebenfalls gleichmäßig zu verteilen. — Christoffer Suhr in „Hamburgische Trachten“ (1838) zeichnet auf Blatt 18 vier „Quartiersleute“ vor einem Karren mit niedrigen Rädern, worauf ein großes Faß. Wahrscheinlich sind dies Lüd’ von de Eck, abgesehen davon, daß die Gesichter stark an junge Mädchen erinnern, die sich einen Maskenscherz erlauben. Heckscher (29) trifft in seinen ausführlichen Erläuterungen hierzu durchweg das Richtige. Nur stimmt es nicht, daß auch Möbeltransporte, Kohlenaufwinden usw. regelmäßig durch Quartiersleute besorgt zu werden pflegten. Das gehörte nicht zu ihrem Arbeitsgebiet, wenn es auch ausnahmsweise geschehen mochte. — In „Hamburg wie es ist — und — sein könnte“ (Berendsohn 1839 S. 20 f.) unterhalten sich „Quartiersleute beim Krahn“, während sie auf Arbeit warten, und folgen zum Schluß einem Kommis, der sie anwirbt, um im Wandrahm Indigo abzuliefern. Das können nur Lüd von de Eck gewesen sein, denn Quartiersleute warteten niemals an offener Straße auf Beschäftigung. — Durchweg zutreffend sind Bueks Erläuterungen zum „Album Hamburgischer Kostüme“ (1847), nur ist es vollkommen verkehrt, wenn er sagt, das Institut der Hausküper sei erst hoch gekommen, weil man die Spesen der Quartiersleute zu teuer befunden habe. Die Jessensche Abbildung dazu ist eine der besten, die wir besitzen, abgesehen von dem bekannten Gruppenbilde des Schillerfestzuges von 1859. Ein Modell des alten Rollwagens, den die Quartiersleute bei diesem Anlaß mit sich führten und in berechtigter Vorsicht mit Eßwaren und Getränk beladen hatten, befindet sich, beiläufig bemerkt, im Museum für Hamburgische Geschichte. Dort entdeckte ich auch ein ungerahmtes Bild auf großer Leinewand, vom Maler F. L. Heiser bei Anlaß eines Quartierjubiläums angefertigt, mit Darstellung zweier Quartiersleute und der Unterschrift 1701–1869. Ich würde solches hier wiedergegeben haben, wenn die angebliche Tracht von 1701 nicht in eine weit spätere Zeit gesetzt werden müßte.

In neuerer Zeit lieferte Borcherdt (II. 286 f.) eine gute Studie über den Gegenstand. Falsch ist darin, daß die Quartiersleute ihren Kunden den Lohn der Hülfsarbeiter in Rechnung gestellt hätten. Der ging immer aus ihrer eigenen Tasche, denn sie übernahmen ja die Arbeit zu festen Sätzen. Das gute Bild eines Quartiersmanns in alter Tracht erscheint auf dem Umschlag seines Buches. — Sternhagen (7 f.) führte in Gestalt des Peter Voß den Quartiersmann ein, „den Vertreter der Hamburger Kaufmannschaft, der sich in ihrem Dienst zu allen Zeiten zu Wohlhabenheit und zu besonderen Ehren erhoben habe“, läßt uns aber von seinem Geschäftsbetrieb nichts erfahren. Nicht zutreffend ist die Behauptung (28), mit „Koptein“ würden nur die „Konsorten“ angeredet. Dieser Titel kam sämtlichen Teilhabern des Quartiers zu. — Rat Dr. Voigt (Mitt. V. 488 f.) hält es bei Besprechung eines alten Kontraktes für möglich, und Dr. Obst (Hamburger Fremdenblatt 17. Nov. 1905 und „Aus Hamburgs Lehrjahren“ 135 f.) scheint geneigt, sich ihm anzuschließen, daß diese Vereinigungen aus den Knevelkarrenführern hervorgegangen sein könnten. Mir ist dies höchst unwahrscheinlich, denn zum Quartiersmannsberuf eigneten sich nur solche Leute, die mit Behandlung von Waren, Packen usw. Bescheid wußten, also schon auf Speichern gearbeitet hatten. So wenig wie etwa die Ewerführer konnten die Kneveler für solche Beschäftigung gebraucht werden, denn sie hatten nichts weiter gelernt, als ihre Karre zu beladen und zu ziehen. — Jünger 12 f. und 22 f. bringt ausführliches über die Quartiersleute.

Ich sagte vorhin, es sei zu bedauern, daß keiner aus der Mitte der Quartiersleute über seinen Stand geschrieben habe. Einer allerdings hat eine Ausnahme gemacht, Herr J. D. J. Pingel senior, der im Jahre 1880 ein hübsches Folioblatt „Hamburger Quartiersleute“ herausgab, das offenbar als Wandschmuck gedacht ist. Er liefert wenigstens einige Andeutungen über ihr Verhältnis zur Kaufmannschaft und die Art ihrer Beschäftigung und zählt zum Schluß etwa 80 Ökelnamen auf, die später von Dr. Borcherdt und anderen wieder abgedruckt wurden. Da die meisten, die in neuerer Zeit über den Gegenstand geschrieben haben, aus diesem Blatte ihre Kenntnisse geschöpft haben dürften (wie ihre Vorgänger aus Morasch und Schütze) und solches außerdem recht selten geworden ist, bringe ich es vollständig am Schluß dieses Heftes.

Um nichts auszulassen von dem, was ich gefunden habe, sei noch erwähnt, daß in zwei Volksstücken der Quartiersmann eine Rolle spielte. In „Hamburger Pillen“ von Schindler und Brünner (1870) trat bei Karl Schultze der 80jährige Quartiersmann Peter Bostelmann auf (Gaedertz II. 173 f.) und auf derselben Bühne im Jahre 1882 ein Quartiersmann Cords in Schreyer und Hirschels „Hamburg an der Alster“ (Gaedertz II. 262).