Diese Nachrichten sind dürftig. Es mögen noch einige weitere zu finden sein, irgendwie belangreiche aber schwerlich, es sei denn, daß Privataufzeichnungen ans Licht kämen.

Wie und zu welcher Zeit haben wir uns nun das Entstehen des ersten „Quartiers“ zu denken? Nach meiner Ansicht dürfen wir uns das ohne irgendwelche Anknüpfung an eine schon vorhanden gewesene Organisation vorstellen. Wie so manches im kaufmännischen Betriebe sich auf leisen Anstoß entwickelt, wenn die Zeit dafür da ist, so auch hier. Ein paar unternehmende tüchtige Arbeiter haben sich zunächst einmal zusammengetan, um auf Empfehlungen gestützt und auf ihr ehrliches Gesicht hin den Versuch zu machen, solche Kunden zu gewinnen, für die sich die Anstellung eigener Hausküper und Speicherleute nicht lohnte. Als sich gute Erfolge ergaben, haben sie allmählich Nachahmer gefunden. Ähnlich so ging es im sechzehnten Jahrhundert mit der Einführung des Maklergewerbes in Hamburg (Ehrenberg 313, 317) und in neuerer Zeit beim Stande der Warenagenten. In den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts mußte man einen solchen mit der Laterne suchen. Und jetzt? Wie Sand am Meer sind sie zu finden! Abgesehen davon, daß die Umsätze früher weit kleiner waren, besaß jeder Kaufmann für Bezüge von auswärts oder Abladungen dahin seine festen Verbindungen, mit denen auch häufig für gemeinschaftliche Rechnung oder in Form von Aussendung auf eigene Gefahr gearbeitet wurde. Eines Vermittlers bedurfte man also nicht. Als die ersten schüchternen Versuche gemacht wurden, sich solcher zu bedienen, sahen die altbegründeten Firmen das beinahe als unlauteren Wettbewerb an. Ähnlich so werden anfangs die großen Kaufherrn mit eingeübtem Personal sich durchaus nicht angenehm berührt gefunden haben, als kleine neue Häuser in den „Packern“ eine Stütze fanden und ihnen nun oftmals durch Wettbewerb, wie sie ihn früher nicht gekannt hatten, das Leben sauer machten.

Wann aber dürfen wir die Entstehung des ersten Quartiers annehmen? Ich glaube der Antwort ziemlich nahe gekommen zu sein. In den Hamburger Kämmereirechnungen vom Jahre 1508 heißt es (Koppmann V. 66), daß für Erwerb des Bürgerrechts u. a. eingegangen seien 46

6 ß de 39 packers (richtig müßte es lauten: 46

16 ß, da der Satz 1

4 ß der Kopf war). Koppmann vermutet, wohl mit Recht, daß Packer bis dahin überhaupt nicht Bürger zu werden brauchten, aber 1508 sämtlich auf einmal hierzu veranlaßt wurden (VII. S. XLVI.). Da in einem Vertrage von 1693 die Quartiersleute sich als „Compagnions-Packer“ bezeichnen, so ist bestimmt anzunehmen, daß die „Packer“ von 1508 ihre Vorläufer waren. Vielleicht legte man diesen den Zwang des Bürgerwerdens auf, um unliebsame Elemente fernzuhalten, wie aus ähnlichem Grunde die Hausküper und Quartiersleute später darauf bestanden haben, daß die Lüd’ von de Eck Hamburger Bürger sein mußten. Außerdem erfuhr möglicherweise das Institut der Packer grade um jene Zeit eine starke Ausdehnung, da infolge eines Krieges zwischen Lübeck und Dänemark „der Sunt geschlossen und die Ostsehe ganz unsicher war, daz die Hollender, Brabanter und andere nationes mit iren gutern gen Hamburg kamen; und hat auf das mal die stat an kaufmanschaft sich merklich gebessert und vermeret“ (Tratziger 252, vergl auch Lappenberg 294).

Wenn wir annehmen dürfen, die einzelne Genossenschaft der Packer habe schon 1508 aus vier Teilhabern bestanden, so wären damals bereits zehn Quartiere vorhanden gewesen: bei dem Umfange der Unternehmungen immerhin eine stattliche Zahl. Ohne Zweifel sind sie ganz allmählich entstanden. Wir irren vielleicht nicht, wenn wir die erste Gründung in das vierzehnte Jahrhundert setzen, wo infolge der großartig entwickelten Bierausfuhr sich hier in immer steigender Anzahl solche Geschäftsleute eingefunden haben mögen, die mit den rückkehrenden Schiffen Waren aller Art bezogen, deren Vertrieb ihnen die Packer ermöglichten. Die ursprüngliche Zusammensetzung der Quartiere können wir uns dann etwa so denken, daß der „Baas“, der ihnen den Namen gab, auch die Kontrakte entwarf und die Rechnung führte, ein „Scholer“ war, während seine „Konsorten“ sich aus ehemaligen „Knechten“ des Kaufmanns rekrutierten. In späterer Zeit mögen sich häufig Küper zu ihnen gesellt haben, als dies Gewerbe infolge Sinkens des Brauereibetriebes zurückging.