»Ich weiß schon, ja, ich bin undankbar! Das alte Lied! Aber sagen Sie, Herr Gehring, jung, schön und begehrt und lustlos zum Lebensgenuß, begreifen Sie das?«

»Gnädige Frau, es kommt doch darauf an, wo man den Lebensgenuß sucht. Der eine sucht ihn in Vergnügen, der andere in der Arbeit und Pflichterfüllung.«

»Puh — Arbeit nennen Sie Genuß?«

»Sicherlich.«

»Das ist mir unverständlich.« Sie zuckte die Achseln und erhob sich. »Da habe ich mich ja richtig festgeschwatzt. Ich muß auch an die Arbeit, zur Anprobe einer großen Gesellschaftstoilette. Und da möchte ich Ihnen eigentlich beipflichten, diese Arbeit kann unter Umständen auch ein Genuß sein, wenn nämlich das Kleid schick wird, Aufsehen erregt und den Neid meiner lieben Mitschwestern hervorruft.« Und lachend verabschiedete sich Thea.

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Gnädiges Fräulein!

Ihr hohes Kunstinteresse und der außergewöhnliche Genuß, der Ihnen durch Benutzung beigelegter Karte bereitet werden dürfte, läßt mich wagen, Ihnen dieses Billett zu übersenden.

Ich nehme an, daß Sie als Künstlerin groß genug denken, um sich über kleinliche Bedenken hinwegzusetzen. Mit den ergebensten Grüßen

zeichne als Ihr gehorsamster Sklave