Als Thea bleich, mit glänzenden Augen, durch den Saal zurückkehrte, sah sie an den Blicken, die sie verfolgten, die Welt gehörte ihr, nur zuzugreifen brauchte sie. An jeder Ecke sah sie ein Abenteuer auf sich warten, und jeder Männerblick deutete ihr einen Sieg. Nein, wahrlich, sie brauchte nicht zu verzweifeln.

* *
*

Gerda hatte auf ihrem Spaziergange Thea Westphal getroffen. Es war ein kalter, feuchter Märztag. Wind und Regen peitschten die Luft. Thea, ärgerlich auf der Suche nach einem Auto, fand sich plötzlich Gerda von Wangenheim gegenüber.

»Auch Sie unterwegs bei dem Wetter?«

»Das macht mir nichts. Ich bin an meinen täglichen Spaziergang gewöhnt und kann ihn nicht missen.«

»Kein Auto zu bekommen! Die feuchte Luft geht mir schon bis auf die Haut. Kommen Sie, wir gehen ins Kaffee des Westens, eine Tasse Kaffee wird uns gut tun.«

Plaudernd saßen sie beisammen. Thea, durch die wohlige Wärme, durch die bewundernden Männerblicke wieder ganz in Stimmung, sagte: »Ich freue mich, wie Sie sich den Berliner Verhältnissen angepaßt haben. Nicht nur, daß Sie sich elegant und schick, nein, mehr als das, raffiniert kleiden, scheint es, daß Sie auch von dem Vorrecht der Dame von Welt, freieren Sitten huldigen zu dürfen, Gebrauch machen. Sie fangen an, ein moderner Mensch zu werden.«

»Ich habe mir ein Ziel gesetzt, Frau Westphal. Ein Ziel, das ich unbeirrt verfolgen werde, ich gehe darauf zu. Ich muß ein moderner Mensch werden, um zum Ziele gelangen zu können.«

»Bravo, behalten Sie Ihr Ziel im Auge! Sie sind jung und schön, die Männer werden Ihnen zu Füßen liegen, nutzen Sie jede Situation aus, nur verlieren Sie nicht die Oberherrschaft. Ich glaube, Sie besitzen die nötige Kälte, um das zu können.«

Zwei Herren grüßten und wanden sich durch die dichtbesetzten Tische.