Gernsheim und Reitzenstein.
Thea strahlte. »Famoses Zusammentreffen! Die Herren kennen sich? Davon hatte ich ja keine Ahnung.«
»Bei diesem Wetter wagen die Damen sich hinaus?«
»Was wollen Sie, die Pflichten! Ich mußte zu einer Vorstandssitzung, von da wollte ich noch zur Putzmacherin, konnte jedoch kein Auto auftreiben, zitternd und fröstelnd traf ich Fräulein von Wangenheim, eine Tasse Kaffee lockte uns —« Thea hatte die Worte lebhaft hervorgesprudelt und sah Gernsheim mit beredten Augen an.
»Ich ahnte, daß ich Sie heute sehen würde, gnädiges Fräulein,« sagte Reitzenstein zu Gerda.
»Glauben Sie an Ahnungen?«
»So recht eigentlich nicht. Aber mir ist es oft passiert, daß ich sehr lebhaft von einem Menschen geträumt habe. Dann kann ich sicher sein, mit ihm in den nächsten Tagen zusammenzutreffen.«
»Sie haben also von mir geträumt? Da wäre ich neugierig, Ihren Traum kennenzulernen.«
»Es war ein sonderbarer Traum. Hören Sie. Sie hatten ein Konzert gegeben und waren mit Blumen überschüttet worden. Ich durfte Ihnen die Blumen nach Hause tragen. Büschel voll roter und weißer Rosen in meinen Armen, stand ich vor Ihnen. Der Duft betäubte mich. Sie kamen auf mich zu und wollten mir einen Teil der duftenden Last abnehmen. Ich preßte die Blumen fest an meine Brust und flüsterte: ›Küsse mich!‹ Da neigten Sie sich zu mir nieder und hauchten einen Kuß auf meine Lippen. Und als Sie mich küßten, durchdrang meine Glieder eine Eiseskälte, ich schauerte zusammen. ›Mein Blut erfriert unter deinem Kuß,‹ sagte ich, und die Blumen entfielen meinen Armen und fielen nieder zu Ihren Füßen. Und Sie setzten Ihren Fuß auf die Blüten und sagten zu mir: ›So küsse du mich!‹ Und ich neigte mich, um Sie zu küssen, da aber sprangen grüne Flammen aus Ihren Augen, eine Kröte saß auf Ihrer Stirn, und eine Schlange ringelte sich um Ihren Hals. Ich wich zurück und mochte Sie nicht küssen.«
Gerda lachte. »Ich bekomme ja Angst vor mir selber.«