Die Begierde hatte sie erschreckt, hatte das, was Liebe hatte werden können, erstarren lassen. Wohl hatte sie dieses Erlebnis, diese Enttäuschung auf ihrem Lebensweg für die Kunst reifen lassen, aber den Glauben an die reine, tiefe Liebe hatte sie verloren.

Sie nennen es Liebe und ist doch nur Sinnlichkeit — das, was sich anzieht. — —

Nein — nicht nach dem Manne stand ihr Verlangen, nicht nach dem Rausch der Sinne — das Kind war es, das sie begehrte, und darum mußte die Liebe rein sein — rein, ohne Begehrlichkeit — das war das Glück. Dieses vorlaute, dreiste Wesen dort drüben im Teezimmer hatte die Glocke in ihrem Herzen zum Schwingen gebracht, und nun läutete sie, läutete: ich sehne mich — oh, wie sehne ich mich — ich habe noch nicht das Glück genossen — — und ich sehne mich so namenlos danach — —

Es klopfte.

»Darf ich ein bißchen zu Ihnen kommen?«

»Herzlich erfreut, Frau Ebba, kommen Sie herein und lassen Sie uns gemütlich weiterplaudern, es ist gut, daß Sie da sind — sehr gut — und jetzt spüre ich auch wahrhaftig Hunger — einen Wolfshunger. Ich lasse mir noch etwas kaltes Fleisch bringen, mache uns eine Tasse Tee, und dann erzählen auch Sie mir von Ihrem Blütentraum.«

Sie eilte geschäftig im Zimmer umher, ordnete das Gerät des Teetisches, schob zwei bequeme Sessel an den Kamin, entzündete die Spiritusflamme unter dem kleinen silbernen Teekessel, gab dem eintretenden Mädchen ihren Auftrag und bot sich niederlassend Ebba die Zigarettendose.

»Arg vom Sturm zerzaust sind diese Blüten.«

»Es werden Ihnen neue erstehen, Sie sind noch jung, Frau Ebba.«

»Was nutzt mir die Zahl der Jahre, wenn Erlebtes mich alt macht? Ich bin eine Frau ohne Heim, ohne Pflichten, ein vom Wind verwehtes Blatt.