Ich deutete Ihnen an, was mir geschehen. Wir liebten uns, er, der junge, elegante Rechtsanwalt, und ich, die reiche Fabrikantentochter. Unserer Heirat stand nichts im Wege, nur daß ich eigentlich noch zu jung war. Mit achtzehn Jahren sollte man noch nicht heiraten. Doch gleichviel, wer weiß, ob ich, wenn ich später geheiratet, nicht dieselben Erfahrungen gemacht hätte — möglicherweise mit einem anderen Mann auf andere Art, es sollte wohl so sein — Schicksalsbestimmung, — ich glaube daran. Wir lebten sehr glücklich und zufrieden. Mein Mann gehörte zu den gesuchtesten Rechtsanwälten Hamburgs. Wir hatten einen großen geselligen Kreis. Ich wäre restlos glücklich gewesen, wenn in mir nicht die Sehnsucht nach einem Kindchen, einem kleinen lieben Ding, welches mein ureigenstes Mein gewesen wäre, gelebt hätte.

So vergingen drei Jahre, da fing ich an, bei meinem Manne ein unstetes, flackerndes Wesen zu beobachten. Von mir aufmerksam gemacht, wurde er noch nervöser. Ich beobachtete ihn und hielt ihn für überanstrengt in seiner Arbeit. Er schonte sich nicht, arbeitete oft bis spät in die Nacht hinein, wie ich meinte. Er wurde aufgeregt und mißtrauisch, weil er sich beobachtet wußte. Es kam zu Szenen zwischen uns, in welchen er sich die Spioniererei verbat. Genug, ich kam dahinter, daß mein Mann ein leidenschaftlicher Spieler war. In seinem Büro, welches nicht mit unserer Wohnung in Verbindung stand, fanden nachts Zusammenkünfte statt, bei denen wahnsinnig gespielt wurde. Mein Mann verlor. Er verspielte sein ganzes nicht unbedeutendes Einkommen und hatte bereits mein eingebrachtes Vermögen verspielt. Mein Vater stellte ihn zur Rede — er zeigte Reue und gab sein Ehrenwort, keine Karte mehr anzurühren. Er hat sein Ehrenwort gebrochen. Nach zwei Monaten war er verschwunden, nach Unterschlagung ihm anvertrauter Depots. — — —

Da haben Sie meine Blüten.

Ich löste meinen Haushalt auf, Sie können sich wohl denken, daß ich nicht mehr sein mochte, wo alle mein Unglück kannten. Das Mitleid, die bedauernde Neugierde, sie machten mich elend, und so siedelte ich nach hier über.«

»Und warum gerade nach hier?«

»Weil hier mein Bruder mit seiner Familie lebt, so habe ich doch wenigstens einen Anhalt und Menschen, die mir nahe stehen. Sie wissen, die Pensionszeit hier ist nur ein Übergang, ich will wieder mein eigenes Heim haben, meine eigene Häuslichkeit. Und Sie, Lotte Wunsch, müssen recht, recht oft zu mir kommen. Lassen Sie uns Freunde sein.«

»Mit tausend Freuden. Ich bin Ihnen in treuer Freundschaft zugetan und will es bleiben.«

Und mit kräftigem Druck nahm sie die ihr entgegengestreckte Rechte.

»Wissen Sie, daß ich Angst um Sie habe, Ebba?«

»Inwiefern?«