»Jung, schön, reich, alleinstehend — in jeder Gestalt wird die Versuchung an Sie herantreten: Fangarme werden sich nach Ihnen ausstrecken. Aber, Sie haben einen Tugendwächter — ehe der nicht zur Strecke gebracht ist —«
»Das dürfte wohl gar nicht so schwer sein.«
»Achtunddreißig Jahre alt und noch einen ungeküßten Mund.«
»Kein Beweis. Spät in Brand geraten, desto lodernder. Aber wäre es nicht doch ratsamer, wenn ich auf den Schutz meines Bruders baute? Um an ihm eine Stütze zu haben, bin ich hergekommen.«
»Rechnen Sie nicht zu sehr damit. Väter, Gatten und Gattinnen, Brüder und Schwestern haben selten Zeit für die Ihren, immer nur für die anderen.
Darf ich übrigens mal den Namen Ihres Bruders erfahren? Ich kenne so ziemlich alles, was zur Gesellschaft gehört, da wird mir auch Ihre Familie nicht entgangen sein.«
»Mein Bruder ist der Bankdirektor Lukas Westphal.«
Lotte Wunsch sprang auf, warf ihre Zigarette in den Aschenbecher und stieß einen Pfiff hervor.
»Frau Thea Westphal also ist Ihre Schwägerin?«
»Allerdings, Sie kennen Sie?«