»Meine Küsse ließen dich kalt?«
»Sie sehen es.«
»Aber die Küsse des anderen machen dir warm?«
»Er hat mich nicht geküßt.«
»Er wird es aber tun.«
»Vielleicht.« — — —
Gerda lag lange wach und dachte nach. Sie hatte sich küssen lassen. Nicht nur das. Sie, Gerda von Wangenheim, hat zu einem fremden Manne gesagt: ›Küsse mich!‹ Warum das? War es der Alkohol, der ihr Blut in Aufregung gebracht und sie Verlangen tragen ließ, nach der Umarmung eines Mannes? Liebte sie diesen Mann?
Nichts von alledem. Nichts, als der Wunsch, ihr Blut kennenzulernen, hatte sie getrieben, zu tun — wie sie getan. Er hatte sie geküßt, und nicht die leiseste Erregung ihres Blutes hatte sie verspürt. Und doch — eine Erregung hatte sie empfunden, einen Reiz hatte sie verspürt, einen Reiz, die Begierde eines Mannes auflodern zu sehen, sein Begehren anzufachen. An jenem Abend auf dem Künstlerfest, als sie festgeschmiegt an Winkelmann mit ihm tanzte, als sie sein fieberndes Verlangen nach ihr verspürte, hatte sie den prickelnden Reiz empfunden, den Mann verheißungsvoll an sich zu ziehen, um ihm den Fuß auf den Nacken zu setzen.
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