* *
*

Gerda saß beim Frühstück und durchlebte noch einmal den gestrigen Abend. Das große Fest bei Westphals.

Was für Triumphe hatte sie gefeiert, ganz toll waren die Männer nach ihr, und Winkelmann — — sie mußte laut lachen. Eine Szene hatte er ihr gemacht, eine unerhörte Anmaßung! Aber sie hatte ihn zurechtgewiesen. Er würde es nicht noch einmal wagen. Und der Beifall, nachdem sie ihren Vortrag geendet. Sie hatte nicht weniger Applaus gehabt, als der berühmte Tenor. Sie konnte zufrieden sein.

Und Reitzenstein? Der machte ihr Spaß. Der wollte sie ergründen. Er hatte sie gebeten, sie nach Hause begleiten zu dürfen, und sie hatte seine Begleitung angenommen. Und da, als sie zusammen sich von Thea verabschiedeten, war es zu dem Auftritt mit Winkelmann gekommen.

Winkelmann war auf sie zugetreten und hatte mit erregter Stimme gesagt: »Ich begleite Sie nach Haus!«

»Ich danke Ihnen, Herr Winkelmann, aber Herr von Reitzenstein hat mich schon darum gebeten.«

Da packte er ihr Handgelenk und zischte mit heiserer Stimme: »Das wird er nicht tun.«

»Aber ja, er wird es tun,« und sie hatte ihn eisig angesehen und versucht, sich von seinem Griff zu befreien.

»Weib, du bringst mich um den Verstand,« zischte er und drückte ihr Gelenk, daß sie hätte aufschreien mögen.

Da ließ sie einen Blick über ihn gleiten, so voll Verachtung und Kälte — — und er gab sie frei.