»Du liebst mich, Lotte — — ja — — aber du liebst auch deine Kunst — mußt sie lieben, denn sonst könntest du nicht so etwas schaffen. Sage, kannst du dir ein Leben denken ohne deine Kunst?«

»Nein!«

»Ich müßte teilen, Lotte.«

»Willst du, daß ich meiner Kunst entsage?« stammelte sie.

»Das wäre eine Sünde. Eine Künstlerin wie du gehört der ganzen Menschheit. Das ist es ja eben, ich darf dich der Kunst nicht abwendig machen, und — laß mich offen sein — ich kann mir kein Leben an der Seite einer Frau denken, einer bedeutenden Frau, in dem ich gezwungen wäre, die zweite Stelle in ihrem Leben einzunehmen.«

»Willst du damit sagen, daß du dich geirrt und daß du mich nicht liebst?«

»Ich liebe dich. Aber die Größe deines Künstlertums wird unsere Liebe töten. Ich liebe dich und habe dich als mein Weib, als die Mutter meiner Kinder geachtet. Aber heut, seit ich das gesehen« — — und er wies auf ihr Werk — — »heut weiß ich, daß du Frau und Mutter erst neben deiner Kunst sein kannst.«

Sie sah ihn an. Scharf standen seine herben Züge gegen den dunkelnden Abendhimmel. Sie sah, daß er litt.

Und eine Angst, eine grenzenlose Angst um ihr entschwebendes Glück ergriff sie. Mit einem schluchzenden Laut umklammerte sie seinen Hals.

»Sage doch das nicht. Wenn du wüßtest, wie die Liebe über mich gekommen ist. Erst die Liebe, Paul, und dann die Kunst.«