›Nicht??‹ hatte er ungläubig gefragt. Dann hatte er ihr stürmisch die Hände geküßt und war davongestürzt. — — —
»Ach, die wundervollen Rosen, ich danke Ihnen, Herr Winkelmann.«
Winkelmann hielt ihr einen herrlichen, dunkelroten Strauß Rosen entgegen.
»Ein wundervoller Duft! Ich liebe die tiefdunklen Rosen. So — und nun ist Ihr Wunsch erfüllt, Sie befinden sich in meinem ureigenen Reich. Ein etwas wirres Durcheinander, wie Sie sehen. Eben ein Pensionszimmer, mit Möbeln, die nicht mir gehören, zwischen denen die paar Stücke, die mein Eigentum, sich als fremde Gesellen ausnehmen.«
Sie legte den Rosenstrauß in ihren Schoß, zog eine Rose heraus und begann sie zu zerpflücken. Einzeln löste sie Blatt um Blatt und zerstreute die Blätter über den Tisch.
»So, und nun schenken Sie uns den Tee ein. Sie sehen, es steht alles bereit.«
Winkelmann goß den Tee in die japanischen Schalen, legte ihr kleine Kuchen auf und bestrich die gerösteten Brotscheiben mit Marmelade. Es war das erste Mal, daß er dem schönen Mädchen in ihrem eigenen Wohnraum gegenübersaß. Hatte das Zimmer auch nichts Persönliches, so war es doch der Raum, in dem sie lebte, die Möbel, die sie täglich benutzte, all die Gegenstände, die sie umgaben. Das Zimmer war erfüllt von ihrem Duft. Dort, hinter dem Schirm, stand ihr Bett. Er war in dem Zimmer einer jungen Dame, in welchem sie schlief, studierte, und ihre guten Bekannten empfing.
Eine Beklemmung überkam ihn. Wie lange sollte dieses Spiel noch dauern? War er toll, sich so am Gängelband führen zu lassen? Warum nahm er sie nicht einfach in seine Arme und zwang sie zu sich? Warum nicht heut? — jetzt gleich? Sie mußte doch wissen, daß sie ihm verfallen war!
Er sah zu ihr hinüber.
Sie trug ein schwarzes, tiefausgeschnittenes Kreppkleid. Ihre Schultern glänzten im matten Weiß, und das blasse, von einer zarten Röte gefärbte Gesicht atmete das volle Bewußtsein seiner Schönheit. Eine geheime, fast spöttische Freude blitzte aus ihren halbgeschlossenen Augen, zitterte um ihre Nasenflügel.