Sie wollte die sprechenden Personen sehen, wollte wissen, wer so über sie urteilte — aber es gelang ihr nicht. Das Gespräch fand hinter einer nur angelehnten Tür statt, vor der sie mit Bekannten plaudernd stand. Als sie sich frei machen konnte, die Tür öffnete, waren im anstoßenden Zimmer so viel plaudernde Gruppen, daß es unmöglich war, die Stimmen herauszufinden. Dicht an der Tür stand niemand mehr. Sicher aber war, daß es Männerstimmen gewesen waren.
Der Kommerzienrat trat auf sie zu und dankte für ihren Vortrag. Er war ein kleiner, dicker Herr mit kleinen, blinzelnden Augen. Er unterhielt sich lebhaft mit ihr über ihre Stimme und ihre Pläne. »Also, im Februar ist Ihr Konzert?«
Sie nickte.
»Hundert Billette kann ich unterbringen. Lassen Sie mir dieselben in mein Bureau senden, wenn es so weit ist. Ich sage Ihnen das schon heut, mein gnädiges Fräulein, denn Sie müssen wissen, ich bin von Geschäften stark in Anspruch genommen — könnte vergessen — und möchte Ihnen doch gern dienlich sein.«
Gerda war empört. Wie unzart. Konnte er die Billette nicht von den Verkaufsstellen beziehen? Sie sollte wissen, was er für sie tat. Er verlangte einen Dank.
Er nahm hundert Billette gegen Bezahlung, folglich half er die Kosten decken.
Sie neigte hochmütig das Haupt: »Ich bin Ihnen dankbar für Ihr liebenswürdiges Interesse.«
Er sah sie stechend an. »Sie sind sehr schön, Fräulein von Wangenheim!«
Sie wehrte ab. »Oh — bitte.« — — —
Sie war verstimmt, und mißlaunisch schritt sie mit Winkelmann durch den Tiergarten dem Steinplatz zu. Als sie an der Gedächtniskirche waren, sagte sie plötzlich: »Ich will noch nicht heim, lassen Sie uns zusammen speisen.« — —