»Und Arno Stürmer weiß nicht, daß du —«

»Das Kind gehört zu mir, ist mein alleiniges Eigentum, er soll keinen Teil daran haben. Wozu auch? Es würde seinen Weg nur beschweren.«

Lotte war aufgesprungen und ging erregt hin und her. »Um Mutter zu werden, habe ich mich ihm hingegeben. Ich habe einen hohen Einsatz gewagt. Wäre mein Leib nicht gesegnet worden, dann wäre ich jetzt unrein. Das Kind hat mich gereinigt.

Später mag er dann davon wissen, aber, teilen die Liebe meines Kindes mit ihm — niemals!

In zwei Monaten gehe ich fort von hier. Ich kaufe mir ein kleines Haus im Gebirge, ich muß reine Luft um mich haben, wenn das Kind zur Welt kommt. Höhenluft!

Dort werde ich schaffen und werde Mutter sein. Mein Kind und meine Kunst — weiter nichts!«

»Wirst du so einsam leben können?«

»Einsam! Als ob man einsam ist, wenn man Pflichten hat! Menschen! Was sind Menschen! Ich bin oft einsamer unter vielen Menschen, als wenn ich allein bin. Und du auch, Ebba. Wieviel Menschen hast du denn unter den vielen, die du hier kennengelernt hast, gefunden, die dir etwas sein konnten?«

Ebba seufzte.

»Du wirst zu mir kommen, Ebba. Wirst mich besuchen, und wirst mir helfen, mein neues Werk schaffen — du weißt — ›Menschenliebe‹ — dazu brauche ich dich. Nur du kannst mich dazu inspirieren — nur du kannst mein Modell sein.«