»Du magst recht haben, Lukas — ich fürchte auch nur all die Unannehmlichkeiten.«

»Hast du gar nicht. Ganz einfache Chose. Ich nehme einen tüchtigen Rechtsanwalt und gebe ihm die nötigen Informationen. Du wirst überhaupt gar nicht behelligt. Erfährst nachher nur das Resultat der ausgesprochenen Scheidung.«

»Wenn es so einfach wäre.«

»Aber natürlich. Das Schwerste und Schlimmste hast du hinter dir. Muß ja eine scheußliche Zeit für dich gewesen sein.«

»Wenn du wüßtest, wie ich gelitten! Ich habe ihn geliebt, Lukas, von ganzem Herzen. — Du kannst begreifen, welches Weh die herbe Enttäuschung über mich gebracht hat.«

»Ich begreife, Ebba. Es ist ein harter Schlag für dich gewesen, aber ich hoffe, du kommst darüber hinweg. Du bist noch jung, in der Jugend überwindet man leicht. Es ist sehr vernünftig, daß du nach Berlin gekommen bist, hier ist der richtige Ort, um dich deinen Kummer vergessen zu machen. Halte dich nur an Thea und stürze dich mit ihr in die Geselligkeit, paß auf, wie bald dein Leid versunken und vergessen ist.«

»Hältst du mich für so oberflächlich, Lukas?«

»Oberflächlich! Warum das so ausdrücken! Mit Dingen, die nicht zu ändern sind, muß man sich abfinden können. Du warst von jeher geneigt, alles zu schwer zu nehmen. Nimm das Leben leichter, es lohnt nicht, sich abzuquälen.«

Erstaunt hefteten sich ihre Augen auf den Bruder. War dieser nur an sich, an seine Stellung und Ansehen denkende Mann, der ihr riet, sich möglichst schnell über schicksalsschwere Erlebnisse hinwegzusetzen, ihr ernster Bruder?

Und — klang da nicht ein leichter Unterton von Bitternis aus seinen Worten?