Die Röte wich aus ihren Wangen und machte einer tödlichen Blässe Platz. Und — war es denn nicht so? War es nicht sein Geld, von dem sie lebte, ihre Stunden bezahlte? Nein — nein, schrie die Stimme in ihr, so ist es nicht! Sie hatte es geliehen — wie ein Freund dem andern borgen würde!

Aber — sie waren nicht zwei Freunde — Mann gegen Mann — zwischen ihnen stand das Geschlecht — und er liebte sie!

Der Kommerzienrat hatte sich neben sie auf das Sofa gesetzt.

»Haben Sie sich entzweit?« flüstert er mit erregter Stimme. »Kind, so sprechen Sie doch!«

»Ich habe mir von Winkelmann zehntausend Mark geborgt, um mein Studium beenden zu können. Ich bin niemals seine Geliebte gewesen; weil er mich gestern dazu machen wollte, sind wir in Zorn auseinandergegangen — Sie verstehen, daß ich ihm das Geld zurückgeben muß.«

Der Kommerzienrat, dessen kleine Augen immer größer geworden, fragt erstaunt: »Nicht seine Geliebte, ist das wahr?«

Sie will auffahren, bezwingt sich aber. »Das ist die Wahrheit!«

»Armer Kerl! Und nun wollen Sie, daß ich an seine Stelle trete?«

»Ich will Sie bitten, mir das Geld zu leihen, um ihm das seinige zurückgeben zu können. Sie bekommen alles gegen Zinsen zurück, ich denke, wir behandeln die Angelegenheit ganz geschäftlich.«

»Hm, ganz geschäftlich. Also zehntausend Mark gegen Zinsen. Welche Sicherheit bieten Sie mir, und wann und wie wollen Sie zurückzahlen?«