Sie sieht ihn verständnislos an. »Das weiß ich nicht.«
»Ja, Sie müssen sich doch eine Vorstellung gemacht haben, wie Sie Ihren Verpflichtungen nachkommen können und wollen.«
»Ich hoffe, bald viel Geld zu verdienen, und dann will ich zurückzahlen.«
»Viel Geld verdienen, als Konzertsängerin, die im Anfang ihrer Laufbahn steht? Es mag ja so sein, und ich will es Ihnen wünschen! Sie wären dann eine einzige unter tausend! Aber — mein liebes Kind, auf dieser Basis läßt sich kein Geschäft machen. Das wollte ich Ihnen nur beweisen, und darum sprach ich geschäftlich mit Ihnen, nun lassen Sie uns freundschaftlich verhandeln.« Er legt seinen Arm um ihre Taille und fährt fort: »Also — ich, als Ihr Freund, gebe Ihnen die zehntausend Mark und frage weder nach Zinsen noch nach Rückgabe. Ich verlange nur, daß Sie ein bißchen nett zu mir sind, so wie es ein guter Freund verlangen kann.«
»Sie wollen sich also durch die Hergabe des Geldes meine Gunst erkaufen! In klaren Worten ausgedrückt: Sie kaufen mich!«
Sie ist aufgesprungen und steht zornsprühenden Antlitzes vor ihm. »Kann denn ein Mann nie einer Frau gegenüber rein und uneigennützig helfen, muß denn immer das sinnliche Verlangen ins Spiel kommen? Ich verkaufe mich nicht, hören Sie? Ich will Ihr Geld nicht!«
»So beruhigen Sie sich doch, Kind, so habe ich es doch nicht gemeint. Ich sprach doch nur von Freundschaft, nicht von Liebe. Nur daß ich des öfteren ein Stündchen mit Ihnen plaudern darf, Sie besuchen kann, um Ihnen die Hand zu küssen.«
»Nein, ich will auch das nicht!«
Er ist an den Schreibtisch getreten und schreibt. »So — hier haben Sie einen Scheck über zehntausend Mark.« Er steht auf, tritt dicht zu ihr und sieht ihr in die Augen. »Überlegen Sie, ob Sie mir die Rechte eines Freundes zubilligen wollen — ich komme in ein paar Tagen und hole mir die Antwort.«
Gerda hält den Scheck in der Hand. Wie betäubt sieht sie darauf nieder. Hier die Befreiung von Winkelmann, dort die neue Fessel. — Freundschaft! — Heuchler, Betrüger! —