»Du kennst die moderne Ehefrau nicht,« sagte Lukas, »kennst nicht die Befriedigung der eigenen Interessen — rücksichtslos.«
»Ja, liegen denn die Interessen der Frau nicht in der Familie, wenn sie so glücklich ist, Mann und Kind zu besitzen?«
Lukas zündete sich eine Zigarre an, sah nachdenklich vor sich hin und erwiderte: »Du bist weltfremd, liebes Kind.«
»Manchmal hat man gerade als Familienmutter seinen Beruf verfehlt, Ebba.«
»Wie kannst du so etwas sagen, Thea. Niemals kann ich dir da beistimmen. Bist du denn nicht glücklich, deinen Mann und eine blühende Tochter zu haben?«
»Glücklich — natürlich bin ich glücklich, aber weil ich außer dem Gatten und der Tochter noch meine Stellung in der Gesellschaft habe — —«
»Weil sie Vorstandsdame verschiedener Vereine ist und ihren sonstigen Interessen nachgehen kann —« fiel ihr ihr Gatte ins Wort. »Ja, liebe Schwester, die Welt sieht hier anders aus als daheim, ich habe auch umlernen müssen, es wird dir ebenso ergehen.«
Er war aufgestanden und hielt ihr beide Hände hin.
»Ebba, zum erstenmal seit langer Zeit habe ich meine Arbeit vergessen, habe in Ruhe geplaudert, das kommt selten vor, wir haben nie Zeit, weder Thea noch ich, die Verpflichtungen — du begreifst! Aber komm, wenn du magst, du bringst die Ruhestimmung mit aus alter Zeit. Ich sagte, du wirst auch umlernen müssen — weißt du — ich möchte wünschen, du tust es nicht.
Doch nun leb wohl, also um elf Uhr treffe ich dich bei Bissings, Thea. Auf Wiedersehen.«