Ebba, die sich gleichfalls erhoben hatte, wollte sich von ihrer Schwägerin verabschieden.
»Es tut mir wirklich leid, Inge nicht gesehen zu haben, ich hatte mich so darauf gefreut. Inge muß doch jetzt bald fünfzehn sein, weißt du, ich habe sie seit meiner Hochzeit nicht gesehen, das werden jetzt fünf Jahre.«
»Ach, entsetzlich, wie die Zeit vergeht. Weißt du, das ist doch was Schreckliches im Leben einer Frau, die großen Kinder, dadurch wird man alt. Heutzutage gibt es Mittel und Wege genug, sich jung zu erhalten, kein Mensch sieht einem die Jahre an, aber wenn dann die großen Kinder auftauchen, dann geht das Rechnen los. Du kannst froh sein, daß du keine Kinder hast!«
»Aber, Thea, du versündigst dich.«
»Natürlich wäre ich unglücklich, wenn ich sie hergeben sollte. Mein Gott, das mag wohl keine Mutter — aber das Leben ist doch so viel bequemer ohne Kinder.«
»Mir scheint, du machst es dir auch trotzdem bequem.«
»Ich bin nun mal nicht dafür geschaffen, im Haus zu sitzen, Kinder zu hüten und Strümpfe zu stopfen, das gibt es heute überhaupt nicht mehr, wer wird in solchem Kleinkram aufgehen.«
»Du mußt nicht übertreiben, es gibt doch einen Mittelweg. Man kann viel geistige Interessen haben und doch seinem Haushalt vorstehen, seine Kinder erziehen und dem Mann ein angenehmes Heim schaffen.«
Thea lachte.
»Du bist köstlich! Du, da fällt mir ein, ich werde dich mit Exzellenz Werner, Vorstandsmitglied unseres Vereins zur Bekämpfung des Geburtenrückganges, bekannt machen. Die wettert ja gegen uns moderne Frauen. Wir wären nur zu bequem, Kinder zu kriegen, wir wollten unsere Schönheit nicht verderben, wollten uns die Mühe nicht nehmen, die Kinder zu erziehen, um ungehindert unsern Vergnügungen nachgehen zu können, ja, wir modernen Frauen seien schuld an dem Zerfall der Familie. Ihr würdet ja großartig zusammenpassen, die hätte eine Freude an dir! Und ich stiege in ihrer Achtung — woran mir allerdings nichts liegt —, denn du bist ja meine Schwägerin.«