Und er? War dies die Gefährtin, die er sich erhofft?

›Weißt du, Ebba, meine Frau muß nur für mich leben, darf keine Modepuppe sein, sie braucht nicht hübsch zu sein, nein, es wäre mir viel lieber, wenn sie häßlich wäre, denn, weißt du, mit einer hübschen Frau in Berlin leben, was doch mein jetziger Posten erfordert, das ist eine gefährliche Sache.

Meine Tätigkeit ist aufreibend. Meine Stellung bringt auch Repräsentationspflichten mit sich. Ich möchte mir eine kleine Insel schaffen, auf die ich mich rette aus Arbeit und Gesellschaft und Menschentrubel. Eine Oase, auf welcher liebende, fürsorgende Hände mich umschlingen, die mir Hast und Sorge von der Seele nehmen.‹

So sprach Lukas, als er das erste Mal hinüberkam nach seiner Berliner Anstellung. Sechs Monate später heiratete er Thea Weil, die Tochter eines reichen Berliner Fabrikanten. Armer Bruder, du hattest umlernen müssen! Ob es dir schwer geworden? Mußtest du Herzblut darüber lassen?

Das Leben leicht nehmen! Ja, wenn das so ginge!

Wie oft hatte sie versucht, über das, was ihrem Herzen Wunden geschlagen, hinwegzukommen. Es ging nicht, die Narben brannten sie und verursachten ihr Schmerzen. Langsam rollten zwei Tränen über ihre Wangen.

Es war dunkel geworden, als sie über die Corneliusbrücke schritt und beim Einbiegen auf den Kurfürstendamm mit Lotte Wunsch zusammentraf.

»Guten Abend, Frau Ebba, was schleichen Sie so müde einher, als lägen tausend Lasten auf Ihrer Seele?«

Ebba war aus ihrem Sinnen emporgefahren und blickte auf die Bildhauerin, die fröhlich mit geröteten, frischen Backen sie anlachte.

»Und Sie jagen im Sturm daher, als wollten Sie alles, was Ihnen hinderlich in den Weg tritt, verjagen.«