»Will ich auch. Sie haben genau das Richtige gesagt — alles fege ich hinweg — auch Ihr schweres Herz, kleine Frau.«

Und sie hakte sich in Ebbas Arm und zog sie von dannen.

»Ebba, hören Sie. Ich muß mich befreien von — dem Häßlichen, was da auf meinem Weg war — um das zu können, muß ich es festhalten — muß ich ihm noch einmal ins Auge schauen, um dann befreit zu sein. Fort« — sie machte eine fortschiebende Handbewegung. »Sie sehen mich so fragend an, ich kann Ihnen das hier auf der Straße nicht erklären. Auch sind wir gleich at home — Sie kommen in mein Atelier — dann will ich Ihnen von meiner Arbeit sprechen — die mich befreien soll von dem, das mein Verlangen nach Liebe zerstörte. — — Was sind Sie schweigsam, Liebe — wo kommen Sie her?«

»Ich war bei meinen Verwandten.«

»Ach so — eine geplagte moderne Frau, Frau Thea Westphal — nicht wahr?«

Ebba nickte nur. »Nicht sprechen jetzt, Lotte Wunsch.«

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Es war Gesellschaftsabend in der Pension Mohrmann. In Gruppen hatte man sich im Besuchs- und Teezimmer zusammengefunden und saß plaudernd umher.

Diese Gesellschaftsabende in der Pension waren sehr beliebt. Nicht nur, daß die jeweiligen Gäste sich zusammenfanden, auch diejenigen, welche vorzeiten hier gelebt, jetzt ihr eigenes Heim hatten oder anderswo untergekommen waren, fanden sich an diesem Abend ein. Auch Freunde und Bekannte konnten durch Pensionsgäste eingeführt werden. Durch den Zufluß neuer Elemente wurde die Unterhaltung angeregt, neuer Gesprächsstoff geschaffen, und neue Beziehungen knüpften sich an.

Die Ecke des Teezimmers mit den bunt bespannten tiefen Sesseln war wieder von Miß Webb, Ebba Holm und Lotte Wunsch mit Beschlag belegt worden. Zu ihnen fanden sich jetzt Fräulein von Wangenheim, die sich bemühte, an Ebbas Seite zu kommen, Herr Winkelmann, Architekt Gehring und ein junger Baron, welcher, durch Winkelmann eingeführt, heute das erste Mal erschienen war.