»Also tatsächlich kein Herz.«
»Nun, vielleicht könnte ich mir ja während meines Aufenthaltes in Deutschland versuchsweise eins anschaffen — wenn es ohne Schmerzen abgeht.« Und sie warf ihm einen aufmunternden, koketten Blick zu.
Er sah sie an. »Wer so aussieht wie Sie, wird niemals Schmerzen durch die Liebe leiden.«
»Das hoffe ich!« Und wieder traf ihn ein feuriger Blick.
Winkelmann hatte sich zu Gerda von Wangenheim gewandt. Seine Blicke gingen über die elegante, vornehme, aber unmodisch gekleidete Erscheinung, die ihm mit ruhigen, klaren Augen gerade ins Gesicht blickte. Kein aufmunternder Blick, kein mißtrauisches Zurückweichen, an das ihn die Frauen gewöhnt hatten.
Er fragte sich, ob diese Gleichgültigkeit nicht nur erkünstelt wäre, aber er kannte die tausend kleinen, weiblichen Schliche zu genau, um nicht sehr bald ihre absolute Aufrichtigkeit zu fühlen.
Ihre ruhige Gelassenheit erregte sein Interesse, er war es nicht gewöhnt, von den Frauen mit solcher Gleichgültigkeit behandelt zu werden.
Mußte es nicht köstlich sein, auf diesem ruhigen Antlitz die Leidenschaft zu entfesseln, diesen schlanken Körper bebend und zitternd in den Armen zu halten und in diesen leuchtenden, unschuldig blickenden Augen den lodernden Funken zu wecken, diesem Weibe den Stempel des Wissens aufzudrücken?
Er wußte, daß jede Frau ihre schwache Stunde hat. Sich nur nicht durch Vornehmheit, tadellosen Ruf oder sichtbare Kälte zurückschrecken lassen.
Vornehmheit und eisige Kälte wehte ihm entgegen.