»Und ich bin sicher, daß dies nicht der Fall ist.«

»Warum, wenn ich fragen darf?«

Das liebenswürdige und amüsierte Lächeln, welches auf dem Antlitz Gerda von Wangenheims geruht hatte, schwand. Ihre Züge wurden kalt und abweisend, hochmütig zog sie die Brauen in die Höhe und erwiderte: »Weil die Männer es hier nicht ehrlich meinen, weil sie die Achtung vor der Frau verloren zu haben scheinen.«

»Gnädiges Fräulein, darauf kann ich Ihnen nur erwidern: Ich bitte Sie zu bedenken, daß es die Frau ist, welche den Ton angibt, der zwischen Mann und Frau herrscht.«

»Sie wollen damit sagen, daß die Frau selbst es ist, die die Herabminderung der ihr schuldigen Achtung verursacht hat?«

»Genau das. Es sind nicht alle Damen wie Sie, gnädiges Fräulein.«

Nachdenklich blickte sie ihn an. Ein lautes Lachen Miß Webbs ließ sie zu dieser hinüberschauen. »Sie mögen recht haben — wie traurig für uns Frauen.«

»Darf ich mir einen Rat gestatten, gnädiges Fräulein? Sie wollen Künstlerin werden, ausübende Künstlerin, ich kenne den Werdegang der Künstlerinnen ziemlich genau — es ist ein schwerer — oft ein bitterer Weg. Gnädigste, für die Art Ihrer Persönlichkeit doppelt schwer, Sie sollten anders sein.«

»So wie diese vielleicht?« Verächtlich schürzte sie die Lippen und blickte auf die Amerikanerin.

»Wir lassen aber nicht mit uns spielen! Wir spielen!« rief Miß Webb über den Tisch hinüber, Lotte Wunsch zu. »Es hat eine jede Frau in der Hand, richtig einzusteigen. Sie müssen wissen, ich betrachte den Weg des Lebens als einen langen Schienenstrang, auf welchem die Wagen rollen, rollen auf und ab. Es gibt erster, zweiter und dritter Klasse — was hindert mich, bequem erster Klasse zu fahren?«