Und sie wich zurück, wich grausend zurück und wandte das Haupt. Umsonst die Strahlenkrone geopfert, umsonst den langen schweren Weg — vor dem letzten, da schreckte sie zurück, und weinend sank sie zusammen.

Noch einmal wendete sie sehnsüchtig den Blick, so nahe dem Ziel, so nahe der Höhe, und nun zurück auf die Erde, geheftet an den Boden. Lüstern funkelten die Augen aus dem Schatten ihr entgegen, Arme streckten sich gleich langen, feinen Saugadern nach ihr aus. Zu Füßen des Schattens auf der untersten Stufe aber, da lag ihr geopfertes Diadem. Matt, trübe und glanzlos lag es da. Da riß sie sich ihr weißes Gewand ab, legte es zu der Krone und warf sich in die ausgestreckten Arme. Und sie stand auf dem Thron im güldenen Gewand, ein neues Diadem auf dem Haupte, sie stand auf purpurnen Rosen, und die Rosenblätter flüsterten zu ihr empor: ›Herzblut gibt Purpur.‹ — — —

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»Und dadurch denken Sie das Häßliche, das Ihnen den Weg zum Liebesleben versperrte, hinwegzuschaffen?«

»Ja, Ebba, das denke und hoffe ich.«

Erregt ging Lotte in ihrem Atelier auf und ab.

»Einer Gorgo sollen sie ins Antlitz schauen, von deren Grauenhaftigkeit die Phantasie der Antike noch keine Ahnung hatte. Die Begierde, dieser Moloch hält sie alle in seinem Bann. Abreißen will ich ihnen die Maske vom Gesicht und ihnen das wahre Antlitz zeigen, wie es darunter verborgen: eine Fratze, verzerrt von Leidenschaft, wilder Gier und niedrigen Gelüsten. Ein unerbittlicher Ankläger soll vor ihnen stehen!«

Sie war vor Ebba, die schweigend auf dem Diwan saß, stehengeblieben. Ihre Augen glühten fieberhaft, eine lange niedergerungene Leidenschaftlichkeit kam zum Ausdruck.

»Begreifen Sie doch, daß ich nicht stumm bleiben darf, es würde mich zermalmen!

Ach, diese Sehnsucht — dieser stets gewaltsam niedergehaltene Schrei in der Brust — nach Liebe, Ebba — nach Glück,« flüsterte sie.