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Einen Strauß herrlich roter Rosen hielt Gerda von Wangenheim in den Händen.
Kurt Winkelmann.
Welches Recht hatte er dazu? Achtlos legte sie den Strauß auf den Tisch, zerriß die beigefügte Karte in kleine Stückchen und warf sie in den Papierkorb. Der hochmütige Ausdruck ihrer Gesichtszüge vertiefte sich. Der Rosenduft erfüllte das Zimmer, sie konnte ihn nicht vertragen, sie klingelte dem Stubenmädchen und gab ihr die Weisung, den Strauß fortzunehmen, in das Gesellschaftszimmer oder sonstwo hinzustellen, der Duft bereite ihr Kopfschmerzen.
Tat sie ihm unrecht? Hatte man ihr nicht oft Blumensträuße gesandt? Und sie hatte sie genommen, freudig, gleichgültig, gemessen nach den Gefühlen, welche sie dem Spender entgegenbrachte.
War sie zu feinfühlig?
Was war es, das beim Gedenken an diesen Mann ein Gefühl der Empörung in ihr emporflammen ließ? Daß sie diesen Rosenstrauß als eine Beleidigung empfand?
Gestern abend im Konzert hatte sie ihn getroffen.
Er hatte gebeten, sie nach Hause begleiten zu dürfen, und sie, deren Blut und Nerven durch den wunderbaren Gesang der Hempel in Aufregung waren, hatte seine Begleitung gern angenommen. Ungern wäre sie mit der Bahn nach Haus gefahren, der Gang durch den Tiergarten war ihr eine Wohltat, um so mehr, da es ein wundervoller Abend war und sie jetzt so selten dazu kam, spazierenzugehen, ihr Studium ließ ihr nicht die Zeit dazu. Seine Begleitung ermöglichte ihr den Gang durch die klare, kalte Nacht.
Sie waren über den Potsdamer Platz geschritten und lenkten in die Bellevuestraße ein. Als sie an dem hellerleuchteten Restaurant Rheingold vorüberkamen, sah er sie von der Seite an und bemerkte: