»Ich darf es wohl nicht wagen, Ihnen, gnädiges Fräulein, ein Glas Wein anzubieten?«
Mit großen, erstaunten Augen sah sie abweisend zu ihm auf: »Wenn es Ihnen leid tut, mir Ihre Begleitung angeboten zu haben —«
»Um Gottes willen, gnädiges Fräulein, ich konnte nur dem Versuch nicht widerstehen, Ihre Gesellschaft noch länger zu genießen.«
»Es ist ein reichlich langer Weg bis zum Steinplatz, mir will es jetzt fast scheinen, daß ich Ihre Zeit zu lange in Anspruch nehme.«
»Gnädiges Fräulein, verzeihen Sie mir.«
Sie zog ihre Hand aus dem Muff und machte eine wegwerfende Bewegung. Dann schritt sie fest und gerade in die Höhe gereckt voran. Eine Atmosphäre von Kühle und Unnahbarkeit um sich ziehend.
Er biß sich auf die Lippen. Diese feindselige, fast verächtliche Kälte, welche sie ihm gegenüber zur Schau trug, reizte ihn bis aufs Blut. Niemals bis heut hatte er um eine Frau zu kämpfen brauchen, gleich reifen Früchten waren sie ihm in die Arme gesunken, er hatte nur die Hand auszustrecken brauchen — und diese hier — lächerlich — diese Kälte wollte er — mußte er durchdringen — alles wollte er daransetzen, sie zu zwingen — der Besitz dieser war von Wert — er kostete Kampf. Das war ein anderer Reiz. Eine nie empfundene, aber vorgeahnte Lust erfüllte ihn. Einen verzehrenden, glühenden Blick warf er auf die ruhig neben ihm einherschreitende Gestalt.
Schweigend waren sie so die Tiergartenstraße entlanggeschritten und bis zur Ecke der Regentenstraße gekommen, da brach Gerda das Schweigen und begann in leichtem Plauderton über das heutige Konzert zu sprechen.
»Ich glaube wohl, es muß ein herrliches Gefühl sein, dort oben zu stehen, umrauscht vom tobenden Beifall der Menge.«
»Wenn Sie erst so weit sein werden, gnädiges Fräulein.«