»Wieviel Arbeit, Kraft — und Kummer, ehe man eine solche Höhe erreicht — und wenn es auch wirklich immer zur Höhe ginge.«

»So kleinmütig? Glauben Sie nicht an Ihr Künstlertum?«

»Ist es nicht begreiflich, sich klein zu fühlen, wenn man eine solche Künstlerin gehört hat? Oh, wer diese Höhe erreichen könnte — einmal — ein einziges Mal so die Herzen treffen können, aufrühren die Menschen bis in ihr tiefstes Sein. Mein Gott, muß das ein Gefühl sein!«

Leidenschaftlich hatte sie die Worte hervorgestoßen, in heftiger Bewegung preßte sie den Muff gegen die Brust und atmete stoßweise. Winkelmann sah auf die Erregte. Da war es ja, das Temperament, welches er geahnt, verborgen, ihr unbewußt schlummerte es in ihr — seine Aufgabe wird es sein, es zu lenken auf Bahnen —

Schweigend gingen sie weiter.

Sie waren den Kurfürstendamm entlang gegangen und näherten sich der Gedächtniskirche.

»Gnädiges Fräulein, es ist unbedingt notwendig, daß Sie Beziehungen anknüpfen, wenn Sie die Absicht haben, hier in Berlin ein Konzert zu geben, ich möchte Sie bitten, über mich zu verfügen, ich kann Ihnen von großem Nutzen sein nach dieser Richtung hin. Sie müssen Tees und Gesellschaften besuchen, müssen sich einen Kreis schaffen, der sich für Sie persönlich interessiert. Ich kann Sie bekannt machen mit Agenten, Kritikern, Direktoren und so weiter.«

»Mit einem Wort, Sie können mich lancieren, wenn Sie wollen?« Sie sprach es verächtlich.

»Mein Gott, ohne diesen Klimbim geht es eben nicht, und wenn es Ihnen Ernst ist mit Ihrem Streben, dann müssen Sie das alles mit in den Kauf nehmen. Klappern gehört zum Handwerk! Sie müssen sich in Positur setzen, das ist hier, in unserer Gesellschaft, besonders nötig. Je mehr Sie selbst aus sich machen, desto höher schätzen Sie die anderen.«

»Ekelhaft.«