»Aber ihr habt doch aus Liebe geheiratet, es kann doch nicht immer so gewesen sein zwischen euch?«
»Was man so Liebe nennt! Was weiß man denn voneinander vor der Ehe! Du — du hast doch deinen Mann auch aus Liebe geheiratet, es ist das Sonderbare im Leben, daß immer die nichtzusammenstimmenden Menschen zueinander finden. Ja: wenn ich eine Frau gefunden hätte, wie du es bist! Sie geht auf in den gesellschaftlichen Zerstreuungen. Sie lebt von fremden Menschen mit fremden Menschen.
Ich bin ein einsamer Mann, Ebba.«
»Aber Inge, ihr habt eine Tochter, du hast Pflichten gegen sie.«
Er zuckte die Achseln. »Ich hatte so wenig Zeit, und jetzt — ist es wohl schon zu spät.«
Tränen verdunkelten ihren Blick. »Nein, nicht zu spät. Schick mir oft Inge, Lukas. Willst du? Sieh, ich bin einsam — ohne Zweck, ohne etwas, das mir Freude macht, ich meine ohne etwas, um dessentwillen es sich lohnt, zu leben, vielleicht kann ich ihr etwas sein.«
»Gern, wie gern, Ebba — das heißt, wenn sie mag.«
Die Uhr im anstoßenden Speisezimmer schlug die achte Stunde. Erschrocken sprang er auf.
»Um des Himmels willen, ich sollte Thea begleiten, es ist Premierenabend im Deutschen Theater — und ich habe dir noch nicht einmal gesagt, was mich zu dir geführt hat. Ich habe deine Scheidungsklage meinem Anwalt übergeben, es wird alles in die Wege geleitet. Er hat mir die Versicherung gegeben, daß es kaum nötig ist, dich persönlich zu belästigen.«
Sie waren aufgestanden. Die schlanke brünette Frau, deren Antlitz unendliche Güte und tiefe Traurigkeit spiegelte, streckte ihm beide Hände entgegen: »Willst du zu mir kommen, wenn du dich nach Ruhe sehnst, Lukas? Willst du mein Haus als das deine betrachten?«