Und der müde schlaffe Mann fühlte etwas in sich aufsteigen, eine würgende Bitterkeit kam über ihn, doch er bezwang sich. Sein gebeugter Körper reckte sich empor, er legte seine Hände in die ihm entgegengestreckten und sprach: »Ich will.« — — —
»Ebba, stellen Sie sich einen Moment in den Erker — so — so ist es recht — ganz wundervoll,« jubelte Lotte Wunsch, »schauen Sie, Fräulein von Wangenheim, ist es nicht wie ein Bild? Der passendste Rahmen, den Sie sich schaffen konnten, ist diese Umgebung!«
»Sie sind ein Kind, Lotte.«
»Danke für das Kompliment, fehlte nur noch, daß Sie mir die Saugflasche umhängen.«
»Na, wenn nicht gerade umhängen, vielleicht noch in die Hand drücken,« neckte Ebba.
Und Lottes Augen strahlten. Ein Lächeln von Glückseligkeit verjüngte ihre Züge. Sie ergriff eine blaßrosa Rose aus dem auf dem Tisch stehenden Blumenarrangement und warf sie nach Ebba.
»Sie Übermut, Sie,« drohte diese, »aber nun vertreten Sie mich einmal und zeigen Sie Fräulein von Wangenheim mein kleines Nest, derweilen ich schnell in die Küche husche.«
»Sehr geschmackvoll, wirklich harmonisch das Ganze,« sprach Gerda. »Diese schweren dunklen Mahagonimöbel wirken herrlich zu der blauen Farbe der Vorhänge, sie geben dem Raum etwas Ruhiges, Abgedämpftes.«
»Und hier, vom Erker aus überschauen Sie die kleine ruhige Straße. Die Zweige der Kastanie vor dem Fenster können Sie greifen.«
»Ich hätte nie geglaubt, daß man hier in Berlin so etwas Abgeschiedenes, ich möchte beinahe sagen, so eine weltentrückte Stimmung finden könne. Ein Hauch von Ruhe und Frieden weht einem entgegen. Mir ist, als würde hier dem ärgsten Sturm Halt geboten, als sei dies ein stilles Hafenbecken, in welches Schiffbrüchige sich retten müßten.«