»Eine schreckliche Person.« Und Gerda verzog verächtlich die Mundwinkel.

»Was wollen Sie, sie versteht es, sich die Männer nutzbar zu machen, echt amerikanisch! Für sie sind die Männer nur dazu da, um die Launen der Frau zu befriedigen. Sie fordert Luxus, Amüsement und Flirt! Glauben Sie, daß sie auch nur einem einzigen der vielen Verehrer eine Spur von Gefühl entgegenbringt?«

Gerda sah erstaunt auf Lotte. »So glauben Sie wirklich, das alles hat mit Liebe gar nichts zu tun?«

»Nicht das Geringste! Das ist es ja, was ich ihr zum Vorwurf machen möchte. Sie versteht die Kunst, alles zu nehmen und nichts zu geben, alle Hoffnungen zu erwecken, die Sinne zu schüren und bis zu glühender Flamme emporlodern zu lassen und nichts zu erfüllen. Das Spiel einer seelenlosen Kokette.«

»Daraus möchte ich ihr keinen Vorwurf machen. Warum? Wenn die Männer auf solch eine Kokette hereinfallen, geschieht ihnen schon recht, wenn sie genarrt werden. Von diesem Gesichtspunkt betrachtet, übrigens ein Spiel, das mich reizen könnte.«

Ebba und Lotte sahen auf Gerda, in deren Augen eine gewisse Grausamkeit aufblitzte.

»Es könnte Ihnen von nicht geringem Nutzen in Ihrer Laufbahn sein, Fräulein von Wangenheim, wenn Sie es verständen, sich die Leidenschaften der Männer nutzbar zu machen, aber — ich warne Sie — kalt wie Marmor, hart wie Stahl müssen Sie sein, wenn Sie triumphieren wollen. Es ist ein gefährliches Spiel.«

»Lassen Sie das,« sprach Ebba unwillig zu Lotte, »hören Sie nicht darauf,« wandte sie sich dann an Gerda, »überlassen Sie die Koketterie den seelenlosen Puppen, ich nehme an, daß Sie zuviel Gemüt besitzen, um mit der Leidenschaft, sei es auch immer, welche es sei, zu spielen. Gewiß, das Begehren des Mannes geht oft über das Maß des Erlaubten hinaus, an uns ist es, ihn in seine Schranken zu verweisen und sein Begehren zu zügeln, nicht noch zu stacheln durch berechnete Herzlosigkeit.« —

Man war beim Nachtisch angelangt. Sie knabberten Schokolade, aßen kleine Kuchen, und Ebba bot Lotte die Zigaretten an, »Sie rauchen doch auch, Fräulein von Wangenheim?«

Lotte reichte das Feuerzeug hinüber. »Ich kann mir nun mal nicht helfen, den Genuß einer Zigarette möchte ich mir nicht nehmen lassen.«