In kleinen kurzen Wölkchen blies sie den Rauch in die Höhe, dann ergriff sie ihr Glas und sprach grüßend zu Gerda: »Auf Ihre Zukunft, Fräulein von Wangenheim, wann werden Sie an die Öffentlichkeit treten?«

»Nächsten Herbst gedenke ich mein erstes Konzert zu geben.«

»Dann müssen wir tüchtig vorarbeiten. Es ist notwendig, daß Sie mehr hervortreten. Was haben Sie für Beziehungen angeknüpft?«

»Eigentlich keine. Ich kenne außer unsern Pensionsleuten niemand.«

»Nun, dann müssen wir Sie einführen. Jetzt vor Weihnachten ist nicht mehr viel los, da ist alle Welt mit dem Fest beschäftigt. Aber in den Monaten Januar bis März ist Hochflut in Berlin, da müssen Sie sich in den Strudel stürzen. Versuchen Sie auf Privatfestlichkeiten, auf den jetzt so beliebten Tees, bei denen alle Welt zusammentrifft, zu singen und Interesse zu erregen.«

»Ach, Fräulein Wunsch, ich finde das so entsetzlich! Es liegt mir so gar nicht, die Menschen zu umwerben und zu umschmeicheln. Ich habe immer gemeint, die Kunst allein sollte die Menschen zwingen.«

»Im Grunde tut sie das auch. Aber was nützt Ihnen Ihre Kunst, wenn Sie niemand haben, auf den Sie sie wirken lassen können? Sie müssen bedenken, niemand kennt Sie, weiß etwas von Ihnen. Gerade hier in Berlin tauchen eine Unmenge Künstler auf, die sich berufen fühlen und denen eine jede Berechtigung eines öffentlichen Auftretens abzusprechen ist. Das Publikum ist mißtrauisch geworden und verhält sich ablehnend unbekannten Künstlern gegenüber.«

»Wozu ist dann aber die Kritik da?«

»Gute Kritiken sind allerdings sehr notwendig und beeinflussen Publikum und Agenten, doch volle Häuser schaffen sie Ihnen nicht. Sie müssen doch auch die Kosten eines Konzerts in Berechnung ziehen. Wollen Sie alles aus Ihrer Tasche bezahlen, soll Ihnen durch Verkauf der Billetts nichts zurückfließen? Wollen Sie vor leeren Wänden singen? Mit vornehmer Zurückgezogenheit ist es nicht zu machen, glauben Sie mir, ich meine es gut mit Ihnen.«

»Ich weiß es, Fräulein Wunsch, nur dies alles entspricht so wenig meinem Charakter.«