Lotte zuckte die Achseln und zündete sich eine neue Zigarette an.
»Unsinn! Sie haben sich doch nun mal diesen Beruf gewählt, haben sogar darum kämpfen müssen mit den Traditionen Ihres Hauses, haben diese überwunden, nun müssen Sie weiter auf selbstgewählter Bahn. Im übrigen denken Sie es sich viel schwieriger, als es in Wirklichkeit ist. Ich glaube sogar, daß man es gerade Ihnen leicht machen wird, sich durchzusetzen, denn bei Ihnen sind die Vorbedingungen, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, vorhanden. Sie sind jung, von selbstbewußter vornehmer Haltung. Sie brauchen nur aufzutauchen, und das Interesse ist erweckt.«
»Wie wäre es, wenn Fräulein von Wangenheim auf dem Tee meiner Schwägerin im Januar sänge?«
»Das wollte ich eben vorschlagen, Frau Ebba. Bei Thea Westphal verkehrt ganz Berlin, alles, was sich zur Gesellschaft rechnet, kommt da einmal im Monat zusammen. Eine bessere Gelegenheit, sich in Szene zu setzen, können Sie nicht finden. Und wie ich Frau Thea kenne, wird sie entzückt sein, ihren Gästen einen neuen angehenden Star vorsetzen zu können, für die nötige Stimmungsmache ist sie besonders geeignet.«
»Ich bin Ihnen beiden von Herzen dankbar, es ist mir viel leichter ums Herz, wenn ich Sie zur Seite weiß und auf Ihre Hilfe zählen kann, so allein, ganz allein zwischen wildfremden gleichgültigen Menschen, der Gedanke macht mich ein wenig schaudern.«
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»Unangemeldet zu Mama zu kommen, Tante Ebba, das ist riesenhaft leichtsinnig von dir. Nun hast du den ganzen Weg umsonst gemacht, Mama ist doch nie zu Hause.«
»Es tut nichts, Inge, dann plaudere ich eben ein bißchen mit dir.«
»Mit mir? Ist dir das nicht langweilig?« Und ein erstaunter Blick flog zu Ebba hinüber.
»Gar nicht langweilig, im Gegenteil, ich denke es mir gerade recht interessant, sich einmal mit dir zu unterhalten.«