Bittend sahen die ernsten Augen zu dem jungen Mädchen hinüber, mit sanftem Druck legte sie die zarte, weiße Hand auf ihre Schulter.
»Ich glaube kaum, daß wir uns verstehen werden, Tante. Ich bin ein so durch und durch moderner Mensch und du — verzeihe mir, wenn ich es ausspreche — aber du bist so altmodisch in deinen Ansichten, wie könntest du da Verständnis für mich haben?«
»Wenn du auch ein moderner Mensch bist, so bist du doch mit vierzehn Jahren noch kein ganz fertiger Mensch, wenn du mir auch weit über dein Alter hinaus zu ragen scheinst in mancher Beziehung, so ist doch immer noch die Möglichkeit vorhanden, daß du deine Ansichten änderst oder ergänzt.«
»Ändern — nie.«
»Nun gut. Du änderst dich nicht, aber es wäre ja möglich, daß ich mich ändern könnte, sieh mal, dein Vater war auch einmal ein ganz unmoderner Mensch, genau so wie ich — und heut — oder ist er auch altmodisch?«
»Papa,« fiel Inge lebhaft ein, »nein, Papa ist ja mein Ideal als Mann. Das heißt zum Heiraten. Er läßt Mama alles tun und machen, was sie will, kümmert sich kaum um sie und mich, denn er hat keine Zeit, da er eine Stellung einnimmt und für uns arbeiten muß. Papa ist ein ganz moderner Ehemann. Du sagst, er hatte auch Ansichten wie du? Das kann ich nicht glauben!«
»Und doch ist es wahr.«
»Wenn du es sagst, muß ich es glauben, denn schwindeln tust du nicht.«
Ebba lächelte. »Du siehst, es wäre also Aussicht, auch mich umzumodeln.«
Inge sah sie ungläubig an. »Bei dir wird es viel schwerer sein, ich glaube, mit dir ist nichts anzufangen nach dieser Richtung. Du scheinst mir zu verbohrt in deine Ideen, aber besuchen kann ich dich ja doch. Es ist ja nicht nötig, daß ich dir alles erzähle, ich werde heraussuchen, was ich für dich passend finde.«