Winkelmann sah sie an und flüsterte: »Haben Sie Lampenfieber?«

»Bitte, sprechen Sie nicht davon.«

Lotte Wunsch näherte sich der Gruppe.

»Ah, da ist ja unsere große Bildhauerin! Gnädiges Fräulein, man erzählt sich Wunderdinge von einem furchtbaren Scheusal, welches Sie jetzt unter den Händen haben. Bitte, verraten Sie uns Ihr neuestes Werk.«

»Fällt mir gar nicht ein. Ich liebe es nicht, von meinen Arbeiten zu sprechen, ehe sie vollendet sind. Weiß ich doch nicht, ob ich sie vollenden werde. Ob nicht Umstände oder Geschehnisse oder auch Unvermögen mich hindern, mein Werk zu Ende zu führen.«

»Aber etwas ganz scheußlich Fratzenhaftes soll es doch sein,« beharrte ein schlanker, grünbleich aussehender Jüngling.

»Ich möchte nur wissen, wo in aller Welt Sie zu einem solchen Scheusal die Modelle hernehmen. Denn ein Modell kann wohl nicht alle Scheußlichkeiten in sich vereinen.«

»Da mögen Sie wohl recht haben! Und was das Hernehmen betrifft, so finden sich diese Modelle unter uns, ich brauche wirklich nicht viel zu suchen.«

Der grünbleiche Jüngling riß die müden, schwarz umrandeten Augen auf und stammelte erschreckt: »Scheusäler unter uns? Wie müssen Ihnen die Menschen erscheinen! Ich beneide Sie nicht um Ihr Sehen, gnädiges Fräulein.«

»Ich sehe eben durch die Maske hindurch. Doch lassen wir das!« und sich zu Gerda wendend: »Sie sind erregt, Fräulein von Wangenheim. Bedürfen Sie der Ruhe? Kommen Sie, ruhen Sie ein wenig, ehe Sie singen werden. Ich kenne den Zustand des ersten öffentlichen Auftretens, wenn auch auf andere Art.«