Dankbar sah Gerda auf sie, legte ihren Arm auf den ihren und ließ sich hinausbegleiten.

Lotte führte sie in das kleine Empfangszimmer der Hausfrau, das einsam und verlassen war, brachte ihr das Notenheft und sagte:

»So, nun schauen Sie in Ihre Noten und denken Sie an nichts anderes als an Ihre Musik. In einer halben Stunde komme ich und hole Sie.«

Als sie die Tür zum großen Empfangszimmer erreicht hatte, trat ihr Gehring und Ebba Holm entgegen.

»Endlich finden wir Sie, Lotte. Ich muß Ihnen gestehen, daß ich schon zu Inge hinübergeflüchtet wäre, wenn Herr Gehring sich nicht meiner angenommen hätte. All die fremden Menschen um mich herum verursachen mir wahrhaftig Schrecken. Wie kann man nur an derartigen Veranstaltungen Vergnügen finden. Das ist mir ganz unbegreiflich.«

»Meine liebe Frau Ebba, Sie gehen von einem ganz falschen Gesichtspunkt aus, wenn Sie meinen, die Leutchen kommen nur zum Vergnügen zusammen. Diese Veranstaltungen sind Zweck-Vergnügungen, jeder dieser Gäste kommt mit einer bestimmten Absicht oder zu einem bestimmten Zweck hierher.«

»Erlauben Sie mal, Fräulein Wunsch, Sie sagten: Jeder!« unterbrach Gehring.

»Natürlich, ein paar Ausnahmen sind wohl darunter,« lachte sie ihm mit aufleuchtendem Blick entgegen. »Ich für mein Teil bin auch nicht ohne Absicht hier. Sie wissen, wir wollen Fräulein von Wangenheim einführen und für ihr Konzert vorarbeiten. Sie sehen, ein guter Zweck.«

»Das kann ich so unbedingt nicht glauben.«

»Ist es nicht immer gut, zu helfen?«