»Für wie alt halten Sie die Person?«
»Es will mir scheinen, als sei sie jung — sie sieht aber aus wie eine Frau von vierzig, fünfzig Jahren.«
»Sie ist achtzehn Jahre alt! Eine Theaterschülerin, die eben die Reinhardtschule durchgemacht hat und sich durch ihr Aussehen interessant machen will. Was ihr ja auch tatsächlich gelingt. Durch ihr bleich gepudertes Gesicht, durch ihr künstlich gemachtes, verlebtes Aussehen fällt sie überall auf. Wenn man sich auch voll Abscheu von ihr wendet, das ist ihr gleichgültig, sie wird bekannt dadurch, ihre Absicht ist erreicht. Sie sehen, auf welche Art man berühmt werden kann!«
»Und hat sie ein Engagement gefunden?«
»Nein, bisher nicht. Das ist ihr auch nicht die Hauptsache. Sie will nur als Schauspielerin gelten und will sich interessant machen.«
Ebba schüttelte den Kopf. »Wo hat meine Schwägerin nur all die Menschen her?«
»Wer hier in der Gesellschaft lebt, ein großes Haus macht, zu dem kommt alles ins Haus geflogen,« sagte Lotte.
»Ja, alles, gnädige Frau. Gesichtet wird nicht. Wenn nur die Außenseite gut gefirnißt und blank poliert ist, ins Innere hinein, da schaut man nicht. Was wollen Sie auch? Es ist doch nur die Interessensphäre, die diese Menschen zusammenbringt. Ganz unabhängig von Sympathie und Antipathie,« sagte Gehring.
Ebba seufzte. »Ich glaube, ich werde an dieser Art zu leben nie Gefallen finden.«
»Das sollen Sie auch nicht, Frau Ebba,« fuhr Lotte erregt auf. »Sie wurzeln so ganz in einem andern Erdreich, und ich meine, Sie haben so gut Wurzel gefaßt, daß es niemand, weder Menschen noch Schicksal, gelingen wird, Sie zu entwurzeln.«