»Na, erlauben Sie mal, verfehlter Zweck eines Kostümfestes. Amüsieren, amüsieren und noch einmal amüsieren — das allein soll die Wirkung sein und ist es auch, wenigstens für uns gewöhnliche Sterbliche. Solche Künstlernaturen, wie unsere große Bildhauerin, mögen ja wohl mit anderen Augen schauen. Schäumender Übermut, prickelnde Lebensfreude, so ist auf mich die Wirkung. Leben und genießen.«

»Mir scheint, Sie huldigen diesem Wahlspruch auch außerhalb der Kostümfeste, Herr von Reitzenstein.«

»Na ob, gnädiges Fräulein. Man ist doch nur einmal jung. Wenn ich erst ein oller Tapergreis bin, bleibt mir ja doch nichts weiter als die Erinnerung.«

»Wenn Ihnen Ihre Erinnerungen von nichts anderem zu erzählen wissen als von Genuß und schäumendem Übermut, so können Sie mir leid tun.«

»Das Schicksal meint es gut mit mir, Fräulein Wunsch. Bis jetzt bin ich immer auf der heiteren Seite des Lebens gewandelt, aber glauben Sie mir, wenn es mal anders kommen sollte, so werde ich schon fest stehen und werde beweisen, daß man trotz Liebe zum Genuß auch imstande ist, etwas zu leisten.«

»Wenn Sie bis dahin nicht schon zu verweichlicht sind.«

»Das bleibt erst abzuwarten.«

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Um Lotte Wunsch glühten und knisterten Flammen. Eingehüllt in eine Feuerwolke ging sie umher. Er war gekommen und hatte sie in seine Arme genommen. Still, mit großen Augen, hatte sie zu ihm emporgeblickt. Da schlossen seine Lippen die forschenden Augen. Es kam wie eine leise, leise Wonne das Bewußtsein des Erwachens aus einem bösen Traum über sie. Sie war unterjocht, bedrückt gewesen von diesem Häßlichen und Starren. Es war in ihren Augen, in ihren Ohren gewesen und hatte ihre Gedanken vergiftet. Und das Häßliche sank ohnmächtig in stille Tiefen, und empor stieg die Flamme der reinen stillen Liebe. Er hielt sie fest in seinen Armen und küßte ihren Mund. Oh, diese glühende Gewalt. All ihr Denken und Fühlen verwehte in diesem Brande. Der Gedanke der Hingabe an diesen Mann, den sie liebte, dem sie sich zu eigen gab, machte sie glückselig. Das war die Erfüllung ihres Weibtums.

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