»Lotte, ist es möglich, kann mit dem Kleid auch der Mensch sich wandeln? Sie stellen eine Feuerwolke dar und scheinen es auch zu sein. Kostüm und Laune scheinen eins zu sein. Wählten Sie das Kleid zur Stimmung oder kam Ihnen die Stimmung im Kleide? Mir scheint, es brennt um Sie her.«

»Es brennt, es brennt, Frau Ebba, heiß und lichterloh.«

»Woher kam der Wind, das Feuer zu entfachen?«

Lachend fiel Lotte der Freundin um den Hals. »Aus den Falten des Kleides.«

»Das ist nicht wahr. Das Feuer ist in Ihnen und durchleuchtet Ihr Kleid. Doch nun stehen Sie einen Augenblick ganz still, damit ich mir das Kunstwerk genau betrachten kann.«

Und Lotte stand in der Mitte ihres Zimmers und ließ sich bewundern. Brandrote geschlitzte Seide fiel flatternd und spielend in der Bewegung wie eine Flamme über ein gleichfarbenes Unterkleid. Die dunklen Haare fielen leichtgelockt bis auf die Schultern. Über die Stirn hatte sie eine Korallenschnur gelegt, deren Ende am Hinterkopf zusammengeknotet über Nacken und Rücken liefen, um auf den Brüsten in zwei Rubinsteinen zu enden. Die Seide bauschte und wirbelte und brachte Unruhe.

»Nun?«

»Ich will Ihnen etwas sagen, Lotte. Wenn Sie mir dies Kostüm vorher beschrieben hätten, würde ich Ihnen gesagt haben, Sie passen nicht hinein. Heut kann ich Ihnen nur sagen, Sie hätten nichts Passenderes und Kleidsameres wählen können.«

»Das finde auch ich,« sagte Fräulein von Wangenheim, die soeben eintrat.

Die beiden sahen ihr entgegen.