Wir aber reisten bei Morgengrauen ab, weil uns interessante Dinge nach Tulln riefen.


VIII.

Wir setzten uns am nächsten Abend, Samstags, mit Zwirner im Parke unter einen schattigen Baum und baten um die längst versprochenen Aufschlüsse über die Frauen. Zwirner sagte Folgendes: Man habe ursprünglich in den Tag hinein gelebt und die vorsorgliche Regierung habe sich begnügt, täglich den Geburtenüberschuß bekannt zu geben und allmonatlich eine Uebersicht des wachsenden Mißverhältnisses der Erwachsenen und der erziehungsbedürftigen Jugend ziffermäßig nachzuweisen.

Man begriff sofort, daß man zum Rechten sehen und daß das Volk über eine Gesetzgebung in Ehesachen schlüssig werden müsse. Ein Grübler verwies auf die Bemerkungen Platos in seinem Buche vom Staate und auf die Lehren Christi im Evangelium Matthäus 19, 11. 12, welche er auf seine Weise auslegte. Man verlangte Gesetze und in allen Gemeinden berieth man hin und her, um den richtigen Ausweg zu finden. Da entstand nun die Frauencurie. Die stimmberechtigten Mädchen und Frauen wollten sich in diesen Fragen nicht überstimmen lassen und forderten Abstimmung nach Curien. Diese Curien stimmten später auch noch abgesondert über Mutterrechte und einen Gesammtcodex für den Verkehr der Geschlechter.

Es wurde ermittelt, daß zur Zeit der alten Gesellschaftsordnung von sechs, sieben oder acht Frauenspersonen im Alter von 16-45 Jahren jährlich nur eine ein Kind zur Welt brachte. Man kannte die ältere Literatur für und wider den Malthusianismus und kannte die Geschichte des Verkehrs der beiden Geschlechter seit Onan, dem Gatten Thamars.

Nach mehrmonatlichen Verhandlungen, Anhörung der Aerzte, und nachdem auch festgestellt worden war, daß durch die vermehrten Geburten vor allem eine bedenkliche Vermehrung der Cretins, Krüppel und voraussichtlich Arbeitsunfähigen herbeigeführt wurden, wurde unter Annahme vieler Detailgesetze beschlossen, daß nur die gesündesten Mädchen und Jünglinge in einer bestimmten, verhältnismäßigen Anzahl zur Ehe zugelassen werden sollten und die anderen Mädchen, wenn sie ein illegitimes Kind zur Welt brächten, in Strafe zu nehmen seien.

“Nun sehen wir doch endlich die Tyrannei eingestanden,” rief Mr. Forest frohlockend aus.

“Es handelte sich um ein offenbares Volksinteresse und die Gesetze wurden vom Volke selbst vorgeschlagen und angenommen und es waren doch unter den Gesetzgebern die von der Ehe Ausgeschlossenen in der Mehrheit, also ist von einer Unfreiheit keine Rede. Uebrigens werdet ihr hören, daß ich nur von einer vorübergehenden Phase unserer Gesetzgebung im vorigen Jahrhundert spreche.”