Die leuchtenden Wölkchen am östlichen Horizonte glitzerten, von der noch verborgenen Sonne beschienen, in blendendem Licht. Sie drängten sich der Sonne entgegen, wie die Höflinge erwartungsvoll an der Thüre des Erscheinens ihres Königs gewärtig sind.

Jetzt erstrahlte eine Bergspitze um die andere, die höchste voran, in hellem Morgenroth, das sich leuchtend von dem Gewoge dunkler Bergreihen abhob. Noch einige Secunden und aufschwebte die mächtige Feuerkugel, die bald darauf frei am Himmel thronte. Ein lautes Freudengeschrei begrüßte sie, die, wie die Erde, das gemeinsame Erbtheil aller ist, und wußte man doch, daß viele, viele Tausende auf allen Bergen Oesterreichs und weit hinaus über die Grenzen des Reiches jetzt desselben Schauspieles froh wurden. Nichts belebt die Liebe zur Natur so mächtig, als die Ruhe und Sorglosigkeit, welche das Leben des Communisten begleitet. Das war die Frühmesse im Tullner Gebiete.

Und jetzt war überall Tag und die Sonne spiegelte sich in der Donau dort unten. Der Hahn, der auch eine Zeit geschwiegen, rief jetzt, als verkündete er die Beendigung dieser wahrhaft ergebenden Feier, sein kräftiges: “Ite, missa est” und der Ruf pflanzte sich von Dorf zu Dorf, so weit man hören konnte, fort. Und so war es fünf Uhr geworden; jetzt erschollen die Gongs in den Dörfern, alle Schläfer zu wecken, und bald sah man dort, weit unten, die Menschen sich regen, ab und zu auch hörte man sie rufen.

Aber in Königstetten sahen wir deutlich unter den Linden ein weißes Morgenkleid flattern und wir priesen den glücklich, dem eine andere Sonne aufgegangen war, die nicht jedem dasselbe bedeutet.

Nun legten sich die anderen zur Ruhe und wir traten mit Dr. Kolb den Rückweg an.


XVI.

Als wir nach Tulln gekommen waren, fühlten auch wir das Bedürfniß, etwas auszuruhen, und so ließen wir den Plan, schon diesen Morgen abzureisen fahren und verschliefen einen Theil des Vormittags. Dann fuhren wir auf den Rath des Dr. Kolb, der sich uns bisher schon zuviel geopfert hatte, nach Klosterneuburg mit der Absicht, abends der Eröffnung und Besiedelung einer neuen Gemeinde im Bezirke, nämlich des früher verfallen gewesenen und jetzt wieder aufgebauten Dorfes Höflein a. d. Donau beizuwohnen.