“Da müssen dir doch die Besuche lästig werden.”
“Wenn ich alle empfangen müßte, die hierher pilgern, das wäre eine Qual! Aber es hängt von mir ab, wen ich zu meiner Stunde vorlassen will. Das Werk wird meistens in den Stunden besichtigt, die ich in der Schule verbringe. Nur berühmte Männer und schöne Frauen, die ich begünstigen will, lasse ich in den Stunden vor, die ich für den Empfang gewählt habe.”
“Das mag dir viel Anregung bieten.”
“Es wird mir vielleicht noch lästig werden, aber jetzt macht mir der Besuch merkwürdiger Menschen noch viel Vergnügen. Für nächste Woche erwarte ich den Besuch des Kaisers und der Kaiserin. Die Erzherzoge waren alle da; aber den Kaiser haben die Jagden und die Empfänge in der Hofburg bisher abgehalten. Nun hat mich die Kaiserin bitten lassen, Tag und Stunde für den kaiserlichen Besuch zu bestimmen. Ich ließ sagen, daß ich sie am nächsten Sonntage um 12 Uhr erwarte, es müsse aber der Kronprinz mitkommen und mir erlaubt sein, ihn zu küssen. Wir sind nämlich dem Prinzen sehr zugethan, weil er den Jakob aus dem Wasser gezogen.”
“Davon erzählte mir Julian.”
“Er soll ein allerliebster Junge sein und ich freue mich, ihn bei mir zu sehen. Die Kaiserin versprach, den Prinzen mitzubringen, meinte aber, den Kuß sollte ich erlassen. Ihr Sohn sei im vierzehnten Jahre, man wolle ihm die Unbefangenheit bewahren. Aber ich bestehe auf meinen Bedingungen; es wird ihm nicht schaden, wenn er bei Zeiten küssen lernt.”
“Du scheinst mir eine Egoistin zu sein.”
“Ellen, wo denkst du hin! Der Prinz muß es sich zur Ehre rechnen, wenn ihn ein schönes Mädchen küßt, und die Kaiserin hat auch nachgegeben.”
“Bei uns würde man einen Dollar Eintrittsgeld bezahlen.”
“Das kann ich mir denken. Nun aber habe ich doch auch allerhand Vortheile. Man sendet mir mancherlei schöne Sachen aus allen Theilen Europas. Teppiche, Vasen, Broncen, kostbare Möbel, Vorhänge und Tapeten haben sich nach und nach angehäuft. Es ist nicht das Kunstwerk allein, das mir Freunde macht, man will mir, so gut es geht, wettmachen, was ich verloren. Freilich ersetzen mir die zahllosen Tropfen von Liebe, die die Mitmenschen auf mich niederträufeln lassen, das weite Meer des Glückes nicht, das ich einmal geträumt habe, aber ich wäre eine Närrin, wollte ich die Freundlichkeiten zurückweisen. — So hat sich nach und nach alles hier verändert, nur das Bett lasse ich mir nicht vertauschen.”