Und unverwandt den Blick auf diese Lagerstätte gerichtet, wandte sie ihr Antlitz mit einem reizenden Lächeln mir zu und küßte mich beinahe inbrünstig.

“Frachtgut,” sagte sie dann, mich etwas coquett anlachend. —

“Ich will es an die Adresse befördern,” sagte ich darauf. “Aber sage, Giulietta, soll Julian wiederkommen?”

“Um Gotteswillen, nein. Das Meer, das uns zusammengeführt, liegt jetzt zwischen uns und so soll es bleiben. Siehst du, ich denke mir, daß Julian sich nicht entschließen konnte, sein Vaterland zu verlassen, und daß er zu gewissenhaft war, mich zur Expatriirung zu bestimmen. Darin liegt ja doch noch keine Kränkung, wenn man es nicht vermag, dem Geliebten das Vaterland zu ersetzen, das Größte was der Mensch besitzt. Käme er wieder, so begänne vielleicht eine neue Reihe von Enttäuschungen, welchen ich nicht gewachsen wäre. Und andererseits denke ich, wenn ich bei dem mein Glück nicht fand, dem ich das kostbarste Geschenk darbrachte, das ich nicht wieder bieten kann, wie sollte ich bei irgend einem Manne auf jene nie verlöschende Gluth der Leidenschaft rechnen, ohne die mir die Liebe eine Unwürdigkeit scheint.”

Ich stellte jetzt die Frage:

“Hast du der Gesellschaft vergeben?”

“Das habe ich allerdings. Zuweilen träume ich von dem Glücke, das ich mir in jungen Jahren ausgemalt. Mein Giacopo sitzt wieder zu meinen Füßen, er flüstert von unseren Hoffnungen, und rasch zieht Bild um Bild an meiner Seele vorüber. Die Vorbereitung der Trauung, die süße Bangigkeit der Braut, die Hochzeitsfeierlichkeit, die Besitzergreifung vom heißersehnten Glück, die zärtliche Besorgtheit des jungen Gatten; jetzt glaube ich, daß sich ein neues Glück ankünde, ich sehe den Mann frohlocken über meine Botschaft, dann umstehen Frauen mein Bett, bereit, mir beizustehen und jetzt will ich den Sprößling an meine Brust drücken. Da grinst mir ein sieches, unschönes Geschöpf entgegen und mit einem Angstruf werde ich wach. Mache ich dann Licht und sehe den blühenden Schützling neben mir sorglos schlummern, so fühle ich mich wie erlöst.”

“Dr. Kolb pflegt zu sagen: Gut und bös, schön und häßlich streiten sich um die Materie, ohne welche nichts ist. Wir müssen alle Materie für die Schönheit gewinnen, die Erde muß ein Himmel werden. Ich bin dem Schönen zu sehr ergeben, daß ich mich ihm in den Weg stellen möchte.”

Nach einer Pause sagte ich, um Giulietta aus ihren Träumereien zu reißen:

“Julian wird mich fragen, was aus seinen Bekannten geworden ist.”