“Seid ihr so offen gegenseitig?” fragte ich.

“Die Frauen untereinander schenken sich jedes Vertrauen. Uns Unvermählten gegenüber sind sie sonst verschlossen, wie auch wir den verheiratheten Frauen gegenüber eine geschlossene Kaste bilden. Wir tauschen unsere Erfahrungen sonst nur theoretisch aus und lassen Offenheit nur walten, wo sie durch die Gesetze geboten ist, die wir uns selbst gegeben.”

“Welcher Art sind diese Gesetze?” fragte ich.

“Sie zielen darauf ab, die Männer uns unterthan zu erhalten in allem, was die Liebe betrifft. Sie sollen nicht erkalten, aber auch nicht in stumpfe Sinnlichkeit verfallen, es soll ihnen nicht gelingen, Uneinigkeit unter uns zu säen. Kein Ehemann darf Gehör finden, wenn er sich von seiner Frau wendet, ausgenommen, er erwirkt die Scheidung und wird von der Frauencurie schuldlos befunden.”

“Fürchtet ihr nicht die Geschwätzigkeit der Männer, wenn ihr untereinander keine Geheimnisse habt?”

“Wir führen ein strenges Regiment. Es ist vorgekommen, daß ein Unersättlicher sich, um eine Umworbene willfähriger zu machen, auf Gunstbezeugungen berief, die ihm andere Mädchen erwiesen. Das wurde hart geahndet. Ein solcher Rebell wurde für ein halbes Jahr unter Bann gethan und wir kehrten ihm alle den Rücken, bis er seine Strafe abgebüßt hatte.”

“Sollte sich da keine Schwache unter euch finden, die den Verbrecher heimlich begünstigt?” entgegnen ich.

“Das halte ich für unmöglich. Jede einzelne von uns hat heiligen Respect vor der Curie.”

“Und woran ist denn die Vervehmung erkennbar?”