“Und im Herbste schicke ich unseren Doctor auf eine Studienreise nach Griechenland und Kleinasien.”
“Das läßt sich hören,” sagte dieser, “und was ist's mit den Ferienplänen?”
“Ich glaube,” sagte Mary, “mein Mann könnte sich nicht auf sechs Wochen von seiner armen Frau trennen.”
“Bewahre; du mußt mitkommen, sage nur wohin du willst.”
“O bitte, das geht nicht so, deine Frau hat ein Amt.”
“Ich weiß, Frau Bibliothekarin, aber es gibt ja Urlaube.”
“Ich habe mit dem Verwaltungsbeamten gesprochen, aber er will nur von vierzehn Tagen wissen. Er sagt, ich hätte nicht mehr Anspruch, und” — sagte der Schelm, wie zögernd und nachdenklich vor sich hinblickend, — “mein Einfluß reicht nicht so weit, einen österreichischen Beamten zu verführen.”
“Vierzehn Tage, das geht nicht, was fangen wir mit vierzehn Tagen an!”
“Deine kluge Frau hat alles bedacht. Es wird vielleicht meinem Herrn Gemahl belieben, sich der Tage zu erinnern, die er mit seiner Braut in Königstetten verbrachte. Die Hochbergs residieren heuer wieder dort, ihre zweite Tochter vermählt sich und der einzige Sohn ist bei seinem Regimente in Sibirien; da wollen die alten Leute den Sommer in der Nähe Loris verbringen und bis dahin haben sie ja auch ein Enkelchen in Tulln.”
“Du hast recht, ich werde mit der Fürstin sprechen; wir lassen uns dein Zimmerchen zum ehelichen Gemache umgestalten. Weißt du noch, wie ich dir dort zuweilen vorlesen durfte? den wilden Jäger, Ekkehard —” “— und was ich dir losem Werber anderes vorzulesen verwehrte.” “Das stimmt, Gestrenge, — und wie ich im übrigen mit unverzeihlicher Härte behandelt wurde.” — “Ja;” sagte Mary, “aber du sollst heuer dort allein wohnen.” “Was soll das heißen?” “Scheidung von Tisch und Bett, mein Lieber,” sagte Mary lachend. “Divorçons!” “Eine neue Variante,” sagte Lueger schmunzelnd. Mary verrieth nur unmerklich, daß das Wort ihre Heiterkeit errege, und wir blickten so harmlos, wie nur immer möglich. Lori warf nun ein: “Es wird nicht zu hart ausfallen.” “Siehst du,” erklärte jetzt Mary, “ich habe allerlei ausgebrütet. Du sollst deine Ferien haben und ich will dir die Kette etwas verlängern, aber aus den Augen laß ich dich nicht. Ich werde in Tulln wohnen.”