“Und die Bibliothek in Wien besorgen? Wie reimt sich das zusammen?”

“Frage Lori.”

“Wenn du einverstanden bist, guter Professor, so tauscht Mary für die Ferienwochen mit der Bibliotheksverwalterin in Tulln. Ich habe das auf ihren Wunsch ins Reine gebracht. Es ist eine ziemlich alte Wittwe, die den Wunsch hat, einmal Wien recht nach Herzenslust zu genießen. Ihre Tochter ist dort verheirathet und außerdem haben wir Veranstaltungen getroffen, daß ihr alle möglichen Annehmlichkeiten bereitet werden.”

“Das wäre ja vortrefflich, die Verwaltung wird das gewiß erlauben.”

“Hat schon!” sagte Mary.

“Aber jetzt sehe ich nicht ein, wozu die Trennung,” sagte Lueger. “Bleibe bei mir in Königstetten, der Fürst läßt dich täglich nach Tulln fahren und im Wagen zurückbringen.”

“Ich danke schön,” sagte Mary, “du weißt, in welchem Zustande ich mich befinden werde zu jener Zeit. Meinst du, die schöne Mary hat Lust, unter den Damen in Königstetten zu erscheinen mit verzerrtem Gesichte und entstelltem Leibe? — Das nicht. Aber vielleicht wird es,” sagte sie mit heuchlerischer Miene, die Arme über der Brust gekreuzt und das Haupt demüthig vor ihrem “Herrn” gesenkt, “meinem Gebieter gefallen, einmal nächtlicher Weile sich aus dem Schlosse wegzustehlen und seine “Magd” zu Tulln aufzusuchen.”

“Vortrefflich! Bei der eigenen Frau fensterln!” lachte der Professor.

“Und wenn sich eine Vermummte abends im Schlosse einschleicht, beim Professor eindringt und demüthig an der Thüre stehen bleibt?”

“Dann wird sie der Professor nicht wieder fortlassen, bis die Lerchen zu schlagen anfangen.”