Es möchte Befremden erregen, dass ein über die abendländischen Culturzustände weit hinausreichender Grad wirthschaftlichen und culturellen Fortschrittes für ein Land begehrt wird, das heute noch in Barbarei versunken liegt. Allein es ist das vollkommen erklärlich. Die Residenz eines neu entstandenen Staates wird an Zweckmässigkeit und Schönheit der Anlage leicht den Herrschersitz eines uralten Staates überflügeln. Man hat eben Raum, und braucht keinen Schutt wegzuräumen, um Platz für Neubauten zu gewinnen. Wenn zur Zeit der Nürnbergereier die Remontoiruhr erfunden worden wäre, hätte kein Besitzer eines Nürnbergereis daran gedacht, seine Uhr in eine Remontoiruhr umzuwandeln, dafür aber auch Niemand, der eine neue Uhr brauchte, nach dem veralteten Ei gegriffen. Man wird aber sagen, ein Volk sei kein Industrieerzeugniss, es wachse, wie ein Naturproduct. Wozu dann Bosnien occupiren, wenn ein Eingriff in sein natürliches Wachsthum nicht möglich ist? Dieser Eingriff ist möglich und jedes Gesetz, jede Verwaltungsmassregel hat den Zweck, auf die Entwicklung des Volkes entscheidenden Einfluss zu üben. Dieser Einfluss ist aber ein vielfach mächtigerer, seit die Volksschule zu grosser Entwicklung gelangt ist und wenn der Staat seine Befugnisse erweitert und auch in der Volkswirthschaft nicht nur leitend, sondern verwaltend eingreift. Bald wird man einsehen, dass der Staat den Beruf hat, seine Sphäre immer weiter auszudehnen und dass er insbesondere den Beruf hat, Unternehmer zu sein.
Es ist für die Entwicklung des Menschengeschlechtes höchst wünschenswerth, dass ein Unternehmen der hier geschilderten Art unter staatlicher Aegide versucht werde und wird sich bald zeigen, dass der Staat berufen ist, die Erziehung und die Volkswirthschaft nicht blos zu fördern, sondern ihnen durch directe Einflussnahme die Wege zu weisen.
Es hat der Staat nicht nur daran ein Interesse, dass die Kinder acht Jahre in die Schule gehen, sondern auch, wie sie in der Wiege und den ersten Jahren ihrer Entwicklung behandelt und gepflegt werden. Da schon werden die Keime einer verfehlten physischen, geistigen und moralischen Entwicklung gelegt und die Priester würden sich nie mit der blossen Schulaufsicht begnügen, sie wissen, dass ihre Lehren in den Jahren der frühesten Kindheit eingeprägt werden müssen, wenn sie Wurzel fassen sollen. Ein gleiches Interesse hat der Staat und haben sich die Eltern einmal daran gewöhnt, ihre Kinder während der etwa 10-stündigen Arbeitszeit auch schon in der frühesten Jugend der öffentlichen Pflege und Erziehung zu überlassen, zeigt es sich, wie viel Arbeit in der Familie dadurch frei wird (Siehe Paris) und dass darin auch Oekonomie liegt, so wird die Bevölkerung die Vortheile der staatlichen Erziehung bald begreifen.
Die Stellung der Regierung zur Leitung der gesellschaftlichen Einrichtungen wird ihr die Herzen der Bevölkerung gewinnen.
Die Regierung wird den Arbeiter auf administrativem Wege ganz anders schützen können, als durch civilgerichtliche Judicatur und die allzusehr herabgesetzte politische Administration wird wieder zu Ehren kommen.
Es wird das viel zur Richtigstellung gewisser Doctrinen beitragen, wenn neben den modernen Staaten sich ein Gebiet ohne Richter und Anwälte, ohne Finanzbeamte und Kaufleute, ohne Banken und Geld und ohne Deputirte aufrichtet und wenn die constitutionelle Regierung zu Hause mit der Autorität auftreten kann, die ihre Erfolge im absolut regierten Gebiete rechtfertigen. Man wird finden, dass der Rechtsstaat kein Gerichtsstaat sein muss, ja dass die unveräusserlichen Rechte der Menschen nur im administrativen Wege ausgiebig geschützt werden können.
Die Aufbringung des Capitals mit Ausschluss aller Börsenmanöver wird möglich sein, wenn man das Unternehmen als ein patriotisches lancirt und wenn der Monarch Denjenigen sein Wohlgefallen bezeigt, die sich an dem Unternehmen betheiligen. Ordenslustige und adelssüchtige Personen, grosse Banken, reiche Financiers, hohe Aristokraten und Prälaten werden sich dann bereit finden lassen, die Actien zu zeichnen.
Auch ist anzunehmen, dass mancher Grundbesitzer in Bosnien seinen Besitz gegen Actien verkauft.
Sind aber die 30 Millionen auf diese Art nicht zu beschaffen, so müsste man um des grossen Zweckes willen sich zu einem Zugeständnisse an die Finanzwelt entschliessen und Actien im Betrage von 100 fl. concessioniren.
Es wäre solchergestalt dem Socialismus Alles entlehnt, was den Staatsinteressen förderlich ist, ohne dass die Dinge auf den Kopf gestellt und erworbene Rechte gefährdet würden. Es hätten die Anhänger beider Richtungen, der reformatorischen und der capitalistischen, ihr räumlich getrenntes Gebiet und der Abfluss der unbeschäftigten Arbeiter nach einem neuen Asyle würde einerseits dem Elende auch bei uns steuern, andererseits der gefährlichen socialistischen Agitation die Spitze abbrechen und ihr die Streitkräfte entziehen.