Würde aber die Frage aufgeworfen, wie für später Zinsen und Amortisation aufgebracht werden sollen, so ist Folgendes zu bemerken. Auf dem Gebiete der »Zadruga« ist durch die Production vor Allem für den Bedarf der eigenen Leute reichlich zu sorgen, wobei eben jede Concurrenz ausgeschlossen ist. Zunächst dann ist daran zu denken, den Markt in Bosnien und den angrenzenden Gebieten zu erobern, was industriell und mercantil gleich geringe Schwierigkeiten bietet. Denn da diese Gebiete bisher ihren Bedarf meist durch Hausindustrie deckten, wird die schon besser geschulte Industrie der »Zadruga« bald für diesen Markt das Bessere erzeugen. Mercantil ist aber die Gesellschaft durch die Lage ihres Gebietes und die darauf berechneten, neu angelegten Communicationen dabei dem Auslande voraus.

Im Auslande und besonders in den österreichischen Provinzen würde die Gesellschaft bald an Holzproducten, vielleicht auch Glas, Obst, Gartenfrüchten, Schlachtvieh, Leder, erheblichen Absatz finden. Man darf auch gar nicht daran verzagen, an eine Luxusindustrie zu denken. Bedeutende Geldeinnahmen und die beste Verwerthung der gesellschaftlichen Erzeugnisse wären vom reisenden Publicum zu erwarten, welches das Land, in welchem persönliche Sicherheit herrscht und Communicationen aller Art hergestellt sind, massenhaft besuchen würde. Die Naturschönheiten ebenso, wie ethnographische, archäologische, geologische und volkswirthschaftliche Studien würden viele Tausende dahin führen und wäre für sie das Gebiet der Gesellschaft ein grosses Hôtel mit allen erdenklichen Bequemlichkeiten. Das System der Pensionen würde erweitert und dem Reisenden gegen eine Zahlung per Tag in verschiedenen Kategorien eine alle Reisebedürfnisse umfassende Versorgung geboten. Für ein Geringes würde da der Tourist überall gewöhnliche Unterkunft und Verköstigung, für grössere Zahlung der Reiche glänzenden Haushalt, Begleiter, Dolmetsch und Fuhrwerk oder Tragthiere ohne kleinliche Einzelberechnung finden. In den gesellschaftlichen Bazars würde man sich mit Mancherlei versorgen und die Gesellschaft, bei welcher der Reisende seine Baarschaft deponirt, würde sich am Ende der Reise mit ihm verrechnen. Diess veranschaulicht die Alles umfassenden Vortheile der einheitlich organisirten Volkswirthschaft für Production sowohl als Consumtion, da sie für die Wirthschaft ist, was der Saldosaal für den Geldverkehr.

Allein abgesehen von den zu erzielenden jährlichen Arbeitsüberschüssen ist ja die collossale Erhöhung des Werthes von Grund und Boden in 50 Jahren in Betracht zu ziehen und kann auf Abschlag dieser Erhöhung des Bodenwerthes und aller in den ersten Jahren erfolgten Immobiliarinvestirungen der Jahresgewinn bilancirt und darüber statutengemäss verfügt werden. Auf Grund dieser Erhöhung des Bodenwerthes, der seinerzeit dem Staate zufällt, kann derselbe ohne Zweifel mit ruhigem Gewissen Zinsen und Capital garantiren.

Kann nun die Bevölkerung zur Arbeit herangezogen werden und wird der Productionswerth der Arbeit durch Maschinen erhöht, so wird das finanzielle Resultat immer glänzend sein, wenn es sich auch nicht in baarem Gelde ausdrückt.

Wo fleissige Hände, unterstützt von mobilem Capitale, einen fruchtbaren Boden bebauen, entstehen Reichthümer jeder Art und der Werth des Immobiliarbesitzes, den die Gesellschaft erwirbt, muss sich, abgesehen von den sonstigen Gütern, die sich im Laufe der Jahre anhäufen und zum gesellschaftlichen Vermögen gehören, um das Zehnfache erhöhen. Obwohl der gesellschaftliche Besitz gewissermassen dem Verkehr entzogen wird, kann doch die Erhöhung der jährlichen Production und die Vermehrung der Bevölkerung, worüber die gesellschaftlichen Bücher ein zuverlässiges statistisches Material liefern, als eine Grundlage für die Schätzung dieser Werthserhöhung dienen.

Dass aber die Bevölkerung unter den geschilderten Verhältnissen zur Arbeit herangebildet wird, ist keinem Zweifel unterworfen. Es ist längst constatirt, dass der gemeine Mann für die Wohlthaten menschlicher Behandlung und wohlwollender Förderung seiner Interessen empfänglich ist und schon Owen hat die Erfahrung gemacht, dass humane und milde Behandlung des Arbeiters und Fürsorge für sein Wohl den Arbeitsgeber bereichern. Es ist dabei in Rechnung zu ziehen, dass Ordnung und Regelmässigkeit allen Unternehmungen, insbesondere aber den wirthschaftlichen Unternehmungen im höchsten Grade förderlich ist.

Und nicht leicht kann irgendwo die Ordnung, Regelmässigkeit und Stetigkeit eines Betriebes so gesichert erscheinen, als auf einem grossen geschlossenen Gebiete, wo es nur einen Hausherrn gibt, der zugleich Arbeitsgeber, Familienvater und Obrigkeit ist, wenn übrigens die Regierung diese alle Beziehungen umfassende Gewalt in Schranken hält.

Dass die Gesellschaft nur Mandatar der Regierung ist, ist zwar evident, allein es genügt doch die vorgeschlagene Form, um Bedenken zu beseitigen, die sonst beim heutigen Stande der politischen Verhältnisse auftauchen könnten und sind die garantirten Bahnen ein Präcedens, das einerseits zur Rechtfertigung dient, andererseits andeutet, welchen Verlauf die vorgeschlagene Einrichtung in Beziehung auf die Stärkung der Regierungsgewalt nehmen wird.

Bedenkt man die wirthschaftlich glänzenden Erfolge der Jesuitenrepublik in Paraguay, der Gründung am Salzsee und der Herrenhutergemeinde, so kann ein wirthschaftliches Bedenken keinesfalls aufkommen.

Es ist nicht zu zweifeln, dass sich in Bosnien eine ganz respectable Industrie entwickeln würde, wenn man sich darum bemühen wollte, die bestehenden Hausindustrieen auf einen höheren Stand der Ausbildung zu bringen und ihnen einen Markt zu eröffnen, abgesehen davon, dass es nichts Vernünftigeres geben könnte, als die arme Bevölkerung des Riesengebirges mit ihrer Spitzenindustrie in ein Land zu versetzen, wo Milch und Honig fliesst und der Zwischenhandel sich ersparen liesse.