Stundenlang vor einem Aktentische stehen, eine Menge Fragen beantworten, welche die Unschuld empören, die Schuld verzweifeln machen und oft Beide verwirren, geliebten, gehaßten oder unbekannten Zeugen gegenüber gestellt werden, viele Monden als Gefangener allen Entbehrungen, allen Qualen der Ungewißheit, allen zeitlichen Nachtheilen ausgesetzt sein—dieses sind Dinge, welche Jeden, auch den Unschuldigen treffen können, niemals vergütet werden und sich großentheils gar nicht beseitigen lassen, so wenig als die Pein eines Untersuchungsrichters, der sich gar oft wöchentlich einige Stunden mit dummen oder schlechten Leuten herumbalgen muß, bei denen Lügen und Läugnen, Rohheit und Unverschämtheit gemeiniglich der Fünftelsaft ihrer Tugenden zu sein pflegen.

Vor der Thüre der Amtsstube schöpft unser Held noch einigemal Athem aus tiefster Brust, dann folgt er dem anmeldenden Begleiter.

Der Verhörrichter, ein braver, kenntnißreicher Herr, der ordentliche Gefangene niemals grob behandelte, nutzlos quälte, ihren Prozeß in bequeme Länge zog und selbst bedauerte, daß die Sache des Zuckerhannes langsam entschieden wurde, steht jetzt am verhängnißvollen Tische, schaut aber dem Eintretenden weit freundlicher als sonst entgegen und ruft sogleich:

"Hans, Ihr seid frei!"

Frei!—dieses Wörtlein trifft den Hans wie ein Donnerschlag, der die Wetterwolken gewaltig zertheilt und die Sonne hineinblitzen läßt in die liebliche Frühlingslandschaft seiner Heimath.

Frei!—Er mag es kaum glauben, starrt den Beamten mit halbgeöffnetem Munde wortlos an und fährt mit der Hand über die Stirne, um sich zu versichern, von keinem Traume geäfft zu werden.

Das Erkenntniß des Gerichtshofes wird ihm vorgelesen, der Beamte redet einige Worte freundlicher Ermahnung und macht eine entlassende Handbewegung, Hans ist vor Rührung nicht im Stande zu reden und während er dem Kerkermeister wieder hinaus folgt, stürzen Thränen der Freude über seine verblichenen Wangen.

"Habt Ihr Etwas im Arrest liegen lassen?"

"Nein!"

"Gut, dann kehren wir nicht dahin zurück; kommt, ich will das Thor aufmachen, dann geht Ihr, wohin Ihr wollt!"