Hans hätte gerne von den Mitgefangenen Abschied genommen, doch besaß er nicht den Muth, diesen Wunsch zu äußern, er hatte ja kein Geld bei sich und Geldmangel ist im Kerker oft schlimmer, als in der Freiheit.

Wir wollen damit nichts weiter sagen als daß Alles, was der Hofpont des Augustus im heidnischen Rom von der Macht des Reichthumes gesungen, bis zur Stunde auch im Kerker gültig sei.

Ein großer Dichter des Alterthums nennt das Geld die schnödeste aller Erfindungen, der größte deutsche Dichter, nämlich Göthe, behauptet, ein gesunder Mensch ohne Geld sei halbkrank und wie sehr beide Dichter Recht haben, lehrt die alltägliche Erfahrung zur Genüge.

Unser Held weinte bei seiner Freilassung Freudenthränen. Wäre es ihm vergönnt gewesen, einen Blick in seine Zukunft zu werfen, so würde er Thränen des Schmerzes, der Trauer und Angst vergossen haben.

Schon auf dem Wege zum Hofe seines alten Meisters wurde seine Freude durch die Wahrnehmung vermindert, daß Niemand dieselbe theile. Er hätte allen Leuten, welche ihm begegneten um den Hals fallen und denselben sagen mögen, er sei zwar ein armer Tropf und elender Krüppel, jetzt aber doch wiederum ein freier und deßhalb glücklicher Mensch. Die Leute gingen gleichgültig an ihm vorüber, in den Blicken manches Bekannten las er die alte Verachtung, Mehrere redeten ihn zwar an, doch ihre Fragen und Reden schienen nur darauf berechnet, ihn zu verwunden und zu kränken. Sie bezweifelten seine Schuldlosigkeit und verwunderten sich, "weßhalb er diesmal dem Zuchthause entronnen sei!" Aergerlich und verstimmt verließ er das Wirthshaus, in welchem er einen Schoppen getrunken, eilte hinter der Stadtmauer des Städtleins zwischen den Gärten dem Feldwege zu, der ihn zum Hofe des Moosbauern führte, dachte auf dem Wege über Vieles nach, was er von seinen Mitgefangenen gehört hatte, ballte zuweilen die Fäuste und lachte dann wieder vor sich hin.

Ein lautes Wiehern schreckt ihn aus dem Gedankensturme auf; er wendet den Kopf und erblickt auf einem nahen, abgemähten Kleeacker den Lieblingsgaul, seinen Bleß, welcher ihm mit glänzenden Augen und gespitzten Ohren zuwiehert und eine Bewegung macht, als ob er dem Kommenden entgegengehen wolle. Den Bleß sehen, zu demselben hineilen, ihn liebkosend anreden, küssen und streicheln ist beim Zuckerhannes das Werk eines Augenblickes.

Während er dem Gaul auf der flachen Hand ein Stück Gefängnißbrod hinstreckt, kommt der Oberknecht, der Bläsi, mit der Sense den Acker herauf, zieht sein Gesicht in spöttische Falten und fragt hämisch:

"Hoho, bist wieder da? Das hat kein Mensch geglaubt, denn Jeder meint, Du habest die Uhr gestohlen! ... Ich meine es auch, aber Du bist ein pfiffiger Bursche, hast's dick hinter den Ohren, so dumm und tappig Du aussiehst! ... Bist recht vornehm geworden im Loche, he? ...[">[

Der Zuckerhannes verbeißt Zorn und Schmerz, versetzt dem Bleß einen Schlag, daß dieser erschrocken auffährt, wendet sich um und geht, ohne dem Bläsi eine Silbe erwiedert zu haben.

"Zuckerhannesle, s'pressirt nicht so, ich muß Dir ja Etwas sagen!" ruft der Knecht ihm nach.