"Zum Zweiten bist Du ein Meineidiger, denn Du hast derselben nicht blos die erlogenen Redensarten und Schwüre aufgetischt, welche jeder Verliebte aufzutischen pflegt, sondern sie durch gewisse schriftlich gegebene Eheversprechen in dein höllisches Garn gelockt, um rascher zum Zwecke deiner thierischen Lüsternheit zu gelangen. Sie hat von diesen Versprechungen niemals Gebrauch gemacht, weil sie noch als Gefallene mehr Ehre im Herzen trug als Du."

"Zum Dritten bist Du ein Mörder, denn Du hast der Brigitte das Herz gebrochen, den Grund zu schwerem Leiden und zeitlichem Unglücke gelegt, welches ihren frühen Tod herbeiführte."

"Das Sterben unter Gefallenen ist zwar nicht sonderlich Mode, aber gar Viele erliegen durch Schuld ihres Verführers dem geistigen Tode, der wohl mehr als der leibliche bedeutet und die Meisten bleiben einem traurigen, verachteten und freudlosen Leben preisgegeben."

"Die Brigitte modert schon viele Jahre unter dem Boden, Du hast ihr den Todestritt und der Todtengräber den Abschiedstritt gegeben, aber wenn ihr Gespenst auch niemals deinen Schlaf störte, so sind ihre Thränen und Seufzer, ihre Anklagen und Verwünschungen doch von Gott gehört worden, denn Er ließ mich leben und am jüngsten Tage wird die Gemordete gegen Dich ehrlosen, meineidigen Mörder als Anklägerin auftreten, wenn Du deine Schuld nicht auf Erden erkennst und einigermaßen zu sühnen Lust bekommst."

"Sie hat Dir zwar vor ihrem Tode verziehen, Alles verziehen, aber Gott kann und wird Keinem verzeihen, welcher nicht Asche auf das Haupt streut und ernste Buße thut."

"Es ist leider wahr, schrecklich wahr, daß Du, Fesenmichel, vor mehr als 20 Jahren nicht schlechter an Brigitten gehandelt hast, als Tausende vorher und seither, vielleicht in dieser Stunde, an tausend Anderen handeln, aber ein Laster bleibt ein Laster, wenn es auch wegen allgemeiner Verbreitung schier zum Gesetze und Recht gemacht wird und Du bleibst ein ehrloser, meineidiger, mörderischer Wicht, wenn Du auch unter allen Ständen und Klassen des Volkes noch so viele Kameraden und die Entschuldigungen: Jugend, Mangel an Bildung, guter Gelegenheit und dergleichen hohle Redensarten für Dich hast."

"Weißt Du, weßhalb ich das Recht besitze, dein weites Gewissen aus langem Sündenschlafe aufzurütteln und an Brigitten zu mahnen? Weil ich Brigittens Sohn, dein eigener, leiblicher Sohn bin, gegen den Du Dich nunmehr seit mehr als 20 Jahren täglich versündiget hast."

"Der zweideutigen, flüchtigen Freude einer Schäferstunde hast Du das Lebensglück zweier Menschen geopfert, welche nichts Böses gethan haben und die Folgen deiner lustigen Sünde pflanzen sich reichlich und unabsehbar auf Erden und hinüber in die endlose Ewigkeit fort. Brigitte ward unglücklich auf Erden durch Dich; wäre ihre arme Seele nach dem Tode nicht in den Himmel gekommen, sondern den Martern des Fegfeuers oder gar den ewigen Qualen der Hölle überantwortet worden, so trügest Du wohl die meiste Schuld daran, denn Du hast Alles gethan, um sie zeitlich und ewig zu verderben und Nichts, um sie zeitlich und ewig zu beglücken."

"Ungemach und Unglück aller Art haben mich großgezogen, Dir zumeist habe ich alles Widrige zu verdanken, was mir bisher im Laufe vieler Jahre begegnete, indem Du mich in die Welt setzen halfst und dann für immer verließest, wie das wildeste Raubthier sein Junges nicht zu verlassen pflegt."

"Hyänen, Löwen und Tiger helfen ihre Jungen aufziehen, tragen ja Futter herbei und vertheidigen dieselben bis zum letzten Blutstropfen, die Heiden befolgen das Beispiel der Thiere und handeln als Menschen dazu, aber in christlichen Landen laufen große Haufen viehischer Bauern und viehischer Herren, die großartig mit Ehre und Bildung und manchmal sogar mit ihrem Christenthum prahlen und pochen, herum und unterlassen, was Raubthiere und arme Heiden thun und Christen vor Allem im höchsten Grade thun sollen."